Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

In Jena von

In Jena
im September 1826

Vater! der Himmel mit seiner Weite
Bleibt unerreichbar! - ich höre Dich nicht!
Frag' ich die Nacht mit dem Sternengeleite,
Frag' ich des Tages hellrosiges Licht!

Vater! Die Erde mit all ihren Banden
Hat mir die Seele mit Ketten umringt -
Vater! Dein Wille - er bleibt unverstanden,
Dich zu erfassen dem Streben mislingt!

Alle die Kräfte der Seele und Sinne,
Die Du zum Leben - zum Handlen geschenkt,
Wanken und Irren - und nirgend gewinne
Ich den Gedanken, der deutlich Dich denkt!

Blind ist mein Auge, mein Herz mir entfremdet,
Todt alles Wollen und dunkel die Welt -
Haltlos zu Dir meine Seele sich wendet:
Zeige Dich Licht, das die Nächte erhellt!

Zeig' Dich! und müßtest den Tod Du mir zeigen -
Zeig' Dich! und zeigtest die Hölle Du mir!
Vater! Du mußt ja zum Kinde Dich neigen,
Vater im Himmel! es rufet zu Dir!