Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

An Sibylle Mertens von

An Sibylle Mertens

Wie der Himmel sich im Meere spiegelt,
Seinen Glanz ihm leiht, sein Lichtbewegen,
Seine Wogen farbenhell beflügelt,
Daß sie grundentfliehend leicht sich regen:
Also ist mein Außenseyn und Leben
Reges Bild der Kraft, die Du gegeben.

In der Tiefe - wo die Wasser quellen,
Raset stumm die Macht, noch ungezügelt,
Grimme Feinde lauern unter Wellen -
Hat das Schweigen auch mein Wort besiegelt,
Tief im Innern, wo sich Schmerzen regen,
Ist im Herzen stets die Qual zugegen.

Weimar 1829