Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Waldeszauber von

Waldeszauber

Wie geh' ich mit dir so gerne
Im dunkeln, flüsternden Wald -
Horch, wie das Waldhorn ferne
Verschwimmenden Tones hallt!

Die Waldnacht wird dichter und dichter
Und schattet mehr und mehr;
Grüngoldne, verirrte Lichter
Nur zucken noch hin und her.

Hier möcht' ich ins Gras mich schmiegen
Mit dir, du süßes Kind,
Und sehen der Blätter Wiegen
Im leisen Abendwind;

Und ihrem Flüstern lauschen,
An deine Brust geschmiegt,
Bis uns der Wipfel Rauschen
In stillen Traum gewiegt. -

Von Menschen spricht die Sage -
Ich hört' es einst als Kind -
Die bis zum jüngsten Tage
In Waldnacht verzaubert sind.

Und nimmer wollte sie lassen
Der weite, dunkle Wald;
Dort hielt sie bis zum Erblassen
Eine zauberische Gewalt.

O wären wir auf immer
Gebannt in des Waldes Schoß!
O ließ' uns nimmer, nimmer
Der dunkle Zauber los!

Verschlängen sich die Zweige
Nicht hinter unserm Pfad,
Verwünschen grün die Steige,
Die unser Fuß betrat!

In stillen, süßen Träumen,
Wie gern wollt' hier ich sehn
Der Blätter Welken und Keimen,
Der Jahre Kommen und Gehn.

Mit dir allein! Mir graute
Vor Einsamkeit nicht viel;
Die Nachtigall unsre Vertraute,
Das Reh dort unser Gespiel.

Vom wüsten Treiben ferne
Der Welt verträumt' ich hier
Das wirre Leben so gerne -
Allein, allein - mit dir! -