Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Rodomonte von

Rodomonte

Graf Bojardo ritt zum Jagen
Aber nicht auf Hirsch' und Rehe,
Denn in seinem Innern nagen
Eines Dichters Gram und Wehe.

Er, der kühne Rolandsänger,
Sonst um Namen nicht verlegen,
Sucht just einen immer länger
Für den kecksten seiner Degen.

Denn der Name schien zur Sache
Wichtig ihm aus vielen Gründen;
Unter'm grünen Waldesdache
Hofft' er heute ihn zu finden.

Horch, da reißt vom Bergesstollen
Sich ein Fels mit einem Male,
Und mit ungestümem Rollen
Stürzt er donnernd in die Thale.

Hei! so wild, unbändig prächtig
Ist Bojardo's Held erfunden:
Aus den Träumen reißt's ihn mächtig,
Und - der Name ist gefunden!

»Rodomonte! Rodomonte!«
Jauchzt' er laut auf hohem Rosse
Und, so eilig als er konnte,
Sprengt' er heimwärts nach dem Schlosse.

Läßt mit seinen Glocken allen
Läuten, was man läuten konnte,
Durch Scandiano's weite Hallen,
Tönt sein jubelnd: »Rodomonte!«

Volk und Diener ängstlich flohen
Hier- und dorthin bei dem Läuten,
Doch - kein Feuer sieht man lohen,
Niemand weiß den Lärm zu deuten.

Wie nun Alles stand im Kranze
Und nicht g'nug sich wundern konnte,
Schrieb Bojard die erste Stanze
Von dem Helden Rodomonte!

Und, dieweil ein Stein' alleine
Schon bewirkte solche Thaten,
Nennt man Alles, was zum Scheine
Lärmen macht: Rodomontaden!