Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Als wir jüngst in Regensburg waren von

Als wir jüngst in Regensburg waren,
sind wir über den Strudel gefahren,
Da waren viele Holden,
die mitfahren wollten.
Schwäbische, bairische Dirndel, juchhe!
muß der Schiffsmann führen.

Und sie scherzten oder sangen,
und es schien sie nicht zu bangen,
Bis es hieß zu einer Zeit:
'nun ist der Strudel nicht mehr weit.'

Da verstummte alles Lachen,
stille ward es in dem Nachen:
'Schiffsmann, lieber Schiffsmann mein,
sollt's denn so gefährlich sein?'

'Die ein reines Herze tragen,
dürfen nimmermehr verzagen,
Wie das Schiff auch bäume
und das Wasser schäume.

Wer den Strudel will vermeiden,
steig hier vorher aus zur seiten,
Und sitz unten wieder ein,
wann wir durchgefahren sein.'

Niemand ist über den Strudel gefahren
denn ein Mägdlein von achtzehn Jahren,
Ist nicht ausgestiegen,
ist beim Schiffsmann geblieben.

Und vom hohen Bergesschlosse
kam auf stolzem, schwarzen Rosse
Gräfin Fräulein Kunigund,
wollte fahren über Strudels Grund.

'Gräfin, solltet ihr nicht scheuen
diese Wogen, die euch dräuen?'
'Schiffsmann, sag mir's ehrlich,
ist's denn so gefährlich?'

'Wenn der Jungfraun Kranz geblieben,
sieht sich froh und sicher drüben,
Wer ihn hat verloren,
ist dem Tod erkoren.'

Als sie in den Strudel gekommen,
kam ein großer Nix geschwommen,
Nahm das Fräulein Kunigund,
fuhr mit ihr in des Strudels Grund.