Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Befiehl du deine Wege von

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt,
Der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt:
Der Wolken, Luft und Winden giebt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

Dem Herren muß du trauen, wenn dir's soll wohlergehn;
Auf sein Werk mußt du schauen, wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein
läßt Gott ihm gar nichts nehmen, es muß erbeten sein.

Dein ewge Treu und Gnade, o Vater, weiß und sieht,
Was gut sei oder schade dem sterblichen Geblüt;
Und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held,
und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rat gefällt.

Weg' hast du allerwegen, an Mitteln fehlt's dir nicht;
Dein Thun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht;
Dein Werk kann niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn,
wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst thun.

Und ob gleich alle Teufel hier wollten widerstehn,
So wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn:
Was er ihm vorgenommen und was er haben will,
das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel.

Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt!
Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt,
Mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit,
so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud.

Auf, auf! gieb deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht;
Laß fahren, was dein Herze betrübt und traurig macht!
Bist du doch nicht Regente, der alles führen soll:
Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl.

Ihn, ihn laß thun und walten, er ist ein weiter Fürst,
Und wird sich so verhalten, daß du dich wundern wirst,
Wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rat
die Sach hinausgeführet, die dich bekümmert hat.

Er wird zwar eine Weile mit seinem Trost verziehn,
Und thund an seinem Teile, als hätt in seinem Sinn
Er deiner sich begeben, und solltst für und für
in Angst und Nöten schweben, fragt er doch nichts nach dir.

Wird's aber sich befinden, daß du ihm treu verbleibst,
So wird er dich entbinden, da du's am wengsten gläubst;
Er wird dein Herze lösen von der so schweren Last,
die du zu keinem Bösen bisher getragen hast.

Wohl idr, du Kind der Treue! du hast und trägst davon
Mit Ruhm und Dankgeschreie den Sieg und Ehrenkron.
Gott giebt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand,
und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt.

Mach End, o Herr, mach Ende an aller unsrer Not!
Stärk unsre Füß und Hände, und laß bis in den Tod
Uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein,
so gehen unsre Wege gewiß zum Himmel ein.