Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Gestern Abend ging ich aus von

Gestern Abend ging ich aus,
ging wohl in den Wald hinaus,
Saß ein Häslein in dem Strauch,
guckt mit seinen Äuglein raus.
Liebes Häslein, was du sagst
und so traulich zu mir klagst.

Bist du nicht der Weidemann,
hetzst auf mich die Hunde an,
Wenn das Windspiel mich erschnappt
und du Jäger mich ertappt,
Wenn ich an mein Schicksal denk,
thut es mich von Herzen kränk.

Wenn ich dann geschossen bin,
trägt man mich zur Küchen hin,
Legt man mich aufs Küchenbrett,
spickt den Buckel wohl mit Fett,
Steckt den Spieß von hinten ein,
ei! wie mag so grob man sein.

Wenn ich dann gebraten bin,
trägt man mich zur Tafel hin;
Der eine bricht mir's Bein entzwei,
der andre schneidt sich ab sein Teil,
Der dritte nimmt sich's allerbest;
laßt's euch schmecken, ihr werten Gäst.

Ich armer Has, wie bin ich blaß,
geh dem Bauer nicht mehr ins Gras,
Geh dem Bauer nicht mehr ins Kraut,
ich hab's bezahlt mit meiner Haut!
Wenn es aber so soll sein,
mag der Teufel ein Häslein sein.

Ich armer Has, das Maul so weit
und der Kopf sehr ungescheit,
Lange Ohren und langer Bart,
als wär ich von Katzenart!
Wenn ich an mein Schicksal denk,
thut es mich von Herzen kränk.

Ein Schwänzlein hab ich, das ist klein,
wünscht wohl, es möcht' größer sein.
So klagt Häslein fort, uns spricht:
weh mir, ach ich armer Wicht!
Wenn ich an mein Schicksal denk,
thut es mich von Herzen kränk!