Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Heute scheid ich, heute wandr' ich von

Heute scheid ich, heute wandr' ich,
keine Seele weint um mich.
Sind's nicht diese, sind's doch andre,
die da trauern, wenn ich wandre,
holder Schatz, ich denk an dich.

An dem Bachstrom hängen Weiden,
in den Thälern liegt der Schnee:
Trautes Kind, ich muß nun scheiden,
muß nun unsre Heimat meiden,
tief im Herzen thut mir's weh.

Hunderttausend Kugeln pfeifen
über meinem Haupte hin!
Wo ich fall, scharrt man mich nieder
ohne Klang und ohne Lieder,
niemand fraget, wer ich bin.

Du allein wirst um mich weinen,
siehst du meinen Todesschein.
Trautes Kind, sollt er erscheinen,
thu im stillen um mich weinen,
und gedenk auch immer mein.

Hörst? die Trommel ruft zu scheiden:
drück ich dir die weiße Hand.
Still die Thränen! laß mich scheiden!
Muß nun für die Ehre streiten,
streiten für das Vaterland.

Sollt ich unter freiem Himmel
schlafen in der Feldschlacht ein:
Soll aus meinem Grabe blühen,
soll auf meinem Grabe glühen,
Blümchen süß: Vergiß nicht mein!