Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Turpe senex miles turpe senilis amor von

Turpe senex miles turpe senilis amor

Vor 1638.

Soll denn mein Junges Leben,
Da alles liebt vnd freyht,
Alleine sich ergeben
Der langen Einsamkeit?
Bleibt dann die Frewd vnd Lust
Der schleyer-weissen Brust,
Nach der wir alle streben,
Mir Ewig vnbewust?

Die Würme, die nur schleichen,
Die schnellen Fisch im Meer,
Das Wild in den Gesträuchen,
Der Vögel leichtes Heer,
Vnd was sich in der Welt
Durch Lufft vnd Flut erhelt,
Kriegt jedes seines gleichen,
Sobald es jhm gefellt.

Nur ich muß nicht geniessen
Worauff dieß Leben geht,
Das Glück will mir verschlissen
Was andern offen steht;
Der Früling meiner Zier
Ist ferne schon von hier,
Gleich wie die Bäche fliessen
So eilt mein Herbst zu mir.

Ich aber muß noch bleiben
So wie ich vormahls war,
Soll nimmer mich beweiben,
Mit keiner seyn ein paar;
Das süsse Wangen-roht
Soll nimmer mir die Noht
Der Einsamkeit vertreiben,
Solch Leben ist ein Tod.

Du Königinn Dione,
Von der es einig rührt,
Daß meiner Zeiten Crone
Mir keine Lust gebührt;
Ist dieß der Lieder Danck,
Die Ich mein lebenlang
Von dir vnd deinem Sohne
In meine Geige sang?

Es hat mich nie gefangen
Was mir verbothen ist,
Bin nie dem nachgegangen
Was Leib vnd Seele büst;
Will keiner wilden Brunst,
Nur eines Menschen Gunst
In Ehren zu erlangen
Versuch ich alle Kunst.

Soll ich mir dann erst rathen,
Wenn schon mein Winter schneyt,
Was thue ich dann vor Thaten
Im süssen Liebes-streit?
Wer jung ist, liebt den Krieg,
Ein alter bleibt zu rück,
Denn solcher arth Soldaten
Erhalten schlechten Sieg.

Nein jetzund wil ich haben
Was auff mein Leiden dient,
Weil noch die Füsse traben
Vnd noch mein Alter grünt;
Komm Venus, schleuß mich ein
Der Liebsten, die ich mein'!
Ich will von deinen Gaben
Recht satt vnd truncken seyn.