Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Divitiis cunctisque bonis Ars inclyta præstat von

Divitiis cunctisque bonis Ars inclyta præstat

Vor 1640.

Wol dem, der sich nur lesst begnügen
Daran, was jmh auf Gottes Gunst
Das Glück vnfeilbar zu muß fügen,
Vnd nehrt sich redlich seiner Kunst!
Ein ander halt auff Geld vnd Guth,
Ich liebe Kunst vnd freyen Muth.

Wie bald kan Reichthumb dich verlassen,
So bist du elend gnug daran!
Kunst aber wird dich stets vmbfassen,
Sie nähret trewlich jhren Mann.
Ein ander halt auff Geld vnd Gut,
Ich liebe Kunst vnd freyen Muth.

Giebt Sie mir nicht viel Goldes-Tonnen,
So macht sie mich doch besser satt,
Als den sein Geld, der viel gewonnen,
Vnd Herr nicht ist dess, was er hat.
Ein ander halt auff Geld vnd Gut,
Ich liebe Kunst vnd freyen Muth.

Wie manchem hat der Krieg genommen
Was jhm vorhin das Glücke gab,
Der jetzt für alles Geld bekommen
Nur einen kalen Bettel-Stab!
Ein ander halt auff Geld vnd Gut,
Ich liebe Kunst vnd freyen Muth.

Wer was gelernt, schewt keiner Waffen,
Die Kunst ist jhm für alles Geldt;
Der muß in steten ängsten schlaffen
Der nur den Schatz im Kasten helt.
Ein ander halt auff Geld vnd Gut,
Ich liebe Kunst vnd freyen Muth.

Was ich besitz', ist nicht im Kasten;
Wil jemand meinen Gütern an,
Der muß mein Leben selbst antasten,
Ist dieß nun hin, was darff ich dann?
Ein ander halt auff Geldt vnd Gut,
Ich liebe Kunst vnd freyen Muth.

Bring mich dahin aus diesem Lande,
Wo nie der Tag recht bricht herfür,
Durch Kunst wil ich im frembden Sande
So seelig leben gleich wie hier!
Ein ander halt auff Geld vnd Gut,
Ich liebe Kunst vnd freyen Muth.

Muß gleich die Kunst nach Brot jetzt gehen,
Wie man von jhr verächtlich schwätzt,
So wil ich dennoch bey jhr stehen,
Weil sie mich inniglich ergetzt.
Ein ander halt auff Geld vnd Gut,
Ich liebe Kunst vnd freyen Muth.

Wenn mir der Höchste das nur giebet,
Was mir zu leben nötig ist,
Vnd eine Seele die mich liebet
Vnd mich für allen außerkiest,
So lieb' ich vber Geld vnd Guth
Sie vnd die Künst', vnd freyen Muth.