Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Jetzund reis' ich weg von hier von

Jetzund reis' ich weg von hier
und muß Abschied nehmen,
o du allerschönste Zier,
Scheiden das bringt Grämen!
Scheiden macht mich so betrübt,
weil ich dich, die ich geliebt
über alle Maßen,
soll und muß verlassen.

Wenn zwei gute Freunde sich
von einander trennen,
Wie das ist so jämmerlich
mußt du selbst bekennen:
Noch viel größer ist der Schmerz,
wenn ein treu verliebtes Herz
muß von seines Gleichen
eine Zeitlang weichen.

Schatz, leb wohl und denk an mich,
denn ich muß nun scheiden.
Du wirst mir auch ewiglich
im Gedächtnis bleiben.
Hörst du oftmals Vögelein,
wisse, daß es Boten sein,
die mit ihrem Singen
einen Gruß dir bringen.

Küssest dir ein Lüftelein
Wangen oder Hände,
Wisse, daß es Seufzer sein,
die ich zu dir sende:
Tausend schick ich täglich aus,
die da wehen um dein Haus,
diese da zu finden,
die mich konnte binden.