Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Gitschin von

Ein Offizier d. 2. Reg.

Gitschin

Den 29. Juni 1866

Im Böhmerlande gen Gitschin
die tapfren Krieger mutig ziehn
vom zweiten Regiment:
Sie gehn zu einem harten Stand!
für König und für Vaterland
ihr Herz in Liebe brennt.

Und näher rückt sie auf den Feine,
in Mut und Tapferkeit vereint,
die junge Heldenschar.
Dort, Brüder, steht des Feindes Macht,
dort sei das Opfer dargebracht
auf heilgem Siegsaltar!

Und näher rückt das Bataillon,
es sieht dem Feind ins Auge schon,
groß ist die Überzahl:
Fünf gegen eins! fast ists zu schwer!
es stutzt und sieht nach Hilf umher:
nur Feinde überall!

Da knien sie nieder: 'Gott, Herr Gott!
hilf, Vater, hilf in dieser Not,
und wärs durch Tod zum Sieg!'
Und nun in Gottes Namen drauf!
der Kampf entbrennt im Sturmeslauf,
weit schallts 'Durch Tod zum Sieg!'

Wohl mancher von den Helden sinkt,
eh ihm die Siegeskrone winkt,
von tötlichem Geschoß.
Doch immer schließen sich die Reihn,
die sich dem Siegestode weihn,
zu neuem Sturmesstoß.

Und immer wieder tönts 'Herr Gott,
verlaß uns nicht! Sieg oder Tod!
sei unsre feste Burg!'
Und immer wieder stürmt heran
die Heldenschar auf blutger Bahn
durch Feindes Reihn hindurch.

Da endlich wankt und weicht der Feind;
ein Jüngling sieht's: 'Dorthin vereint
kommt, Brüder! Dort ist Sieg!'
Er stürmt voran, 'Viktoria!'
so ruft er: ja der Sieg ist da,
für ihn der Tod als Sieg.

Doch Sieg, ja Sieg! die Feinde fliehn!
die Sieger wieder niederknien,
zu danken ihrem Gott.
Sie betten sanft in kühles Grab
die vielen Teuern, denen gab
der blutge Tod den Sieg.

Und möchtest Du der Tapfern Namen wissen
so frage an beim Königs-Regiment:
Frag, welche Kameraden sie vermissen,
frag an, wo eine Thrän im Auge brennt.