Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Christoff Schultz und Anna Martini von

Christoff Schultz und Anna Martini

14. Hewmon. 1653.

Dich, O Mümchen, die man schawt
Schön, erwachsen, Jungfraw, Braut,
Hab' ich in den ersten Tagen
Zu der Tauff' allhie getragen,
Wer getrawt' ihm damals mir,
Daß ich deiner Heyraht Zier
Würd' erleben, wahr zu sagen?

Vnser keiner weis Bescheid
Vmb den Außgang seiner Zeit,
Was die Satzung mit vns mache,
Vnsrer Noht und Wolfahrt Sache
Vnd was künfftig werde seyn,
Birgt des Höchsten Weißheit-Schrein
Tieff in seinem Raht-gemache.

Der Chaldeer Rechnung treugt,
Stirn und Hand einsehen leugt,
Laß dich keines Tand verführen,
Fürwitz wil uns nicht gebüren
Es geh' übel oder wol.
Was mit uns geschehen sol
Muß allein von Gott herrühren.

Hätt' ich alle Welt gefragt,
Niemand hätte mir gesagt
Daß ich dieses solt' erleben,
Als das Weh nicht war zu heben,
Das mir in die Seiten trat,
Vnd der besten Aertzte Raht
Allbereit mich übergeben.

Selbst Apollos Wissenschafft
Wuste weder Kraut noch Krafft,
Amor hatte dessen Schmertzen,
Venus warff von ihr die Kertzen.
Ich gedachte: Wirst du nicht
Fähig seyn der Lieb und Pflicht
Heyrähtlich-verknüpffter Hertzen?

Warumb hab' ich mich bemüht,
Ein Geticht, ein gutes Lied,
Das nach diesem möchte bleiben,
Nach der Kunst Gesetz zu schreiben?
Güldne Geige, wo bleibst du?
Werd' ich nicht, O meine Ruh,
Mehr die Zeit mit dir vertreiben?

Ja! Vnd diß hat Gott gewolt,
Sein Verhängnüß ist mir hold,
Schaw, itzt komm' ich her gefahren
Nach den offt bekränckten Jahren,
Derer, halt' ich, funffzehn sind,
Vnd, was mehr! mit Weib und Kind,
Vnd seh' auch dich, Jungfraw, paaren.

Solt' ich denn nicht seyn erfrewt
Vber solcher guten Zeit,
Nicht den bleichen Sorgen wehren?
Was das Hertz sucht zu verzehren,
Aller Vnmuht, alles Weh
Mag sich auff die wilde See
Oder in die Wüsten kehren.

Sey gegrüsst, O Heilgenbeil,
Meiner Jugend gutes Theil,
Wo ich vor, nicht ohn Belieben
Manches Kalb hab' außgetrieben!
Du Gedilgen auch dabey,
Wo ich beyden Tyranney
Hab' an manchen Baum geschrieben!

Ja auch du nicht weit davon,
Wermt, wo vormals Coridon
Wehrt-muht einer Nymfen wegen,
Die er sehr zu lieben pflegen,
Ist verkehrt in einen Stein,
Sie in selbtes Bächelein
Wor er itzt noch in gelegen,

Darumb auch sein grüner Rand
Wermt von Wehrtmuht ist genant.
Wo sind hin die lieben Zeiten,
Als ihr hörtet meine Seiten?
Wo sind hin die süssen Jahr,
Als auch Pan so frölich war,
Sah' er mich auch nur von weiten?

Du berühmtes Lust-Gezelt,
Brunnen, Stein, Gepüsche, Feld,
Euch ist kund die Gnüg und Güte,
Die mir regte das Gemühte,
Was Gedanken ich erwehlt,
Mit was Frewden ich vermählt
Meiner frischen Jugend Blüte.

Als ich reicher war ohn Geld
Weder der, so aller Welt
Den Gehorsam abgezwungen,
Als, sobald ich was gesungen,
Amor es bekant gemacht,
Daß mein Thon die Mitternacht
Längst schon damals durchgedrungen.

Nehmt mich itzt auch günstig auff,
Bringet alle Lust zu hauff,
Die der Noht uns kan entladen,
Schertzt, ihr glatten Oreaden,
Willigt ewren Faunen ein,
Weil die Nymphen frölich seyn
Vnd sich in den Quellen baden.

Alles sage meiner Ruh
In dem kühlen Grunde zu,
Lasst das Bächlein stärker fliessen
Vnd mit Golde sich ergiessen,
Vnd das Laub von oben her
Für der Sonnen-glut beschwer
Ein Gewölbe lieblich schliessen.

Thut mir aller massen wol,
Macht mich Gnüg- vnd Lebens-voll
Auff die Arbeit und die Plagen,
Die mich Königsberg heisst tragen,
Das, sobald der Tag entspringt,
Mir auch newe Sorgen bringt
Auff der Sonnen liechtem Wagen.

Weil die Braut, das süsse Kind,
Vnd der Bräutgam eines sind
Durch den Priester schon verbunden,
Weil Cupido tausent Wunden
Ihrem lieben Hertzen macht,
Hymen und Dione lacht
Ob der Nacht gewünschten Stunden.

Schöne, wol bist du daran,
Daß so ein beliebter Mann
Dich bemüht ist heimzuführen,
Den wir ungern hie verlieren,
Der gefernt von falscher List
Vnd die Güte selber ist,
Vnd den alle Künste zieren.

Lieb Ihn hertzlich als du thust,
Dieß ist deiner Eltern Lust,
Dieses wird dir Segen bringen,
Fall und Noht und Vnglück zwingen
Vnd für starcke Mawren seyn,
Wil die Mißgunst zu dir ein
Vnd mit deiner Wolfahrt ringen.

Du auch, Bräutgam, bringst dein Boht
Aus der wüsten Wellen Noht
An den Port, und bist geborgen,
Preussen weis dich zu versorgen,
Hie nun ist dein Vaterland,
Streckte Schlesien seine Hand
Gleich nach dir heut oder morgen.

Dafür wirstu, wie ich weis,
Gott auch opffern Danck und Preiß,
Seiner Heerde trewlich pflegen,
Nicht umb des Geniesses wegen,
Noch als der die Herrschaft sucht
Vber sie mit strenger Zucht
Vnd mit gar zu harten Schlägen,

Sondern mit gelindem Geist,
Daß du ihr ein Vorbild seyst.
Solches wird dich nicht gerewen,
Schaw, Gott meynt dich schon mit trewen,
Deine Braut, die schenckt er dir,
Daß dich ihrer Anmuht Zier
Sol ohn unterlaß erfrewen.

Lebt, Ihr wehrten, trotzt den Neid
Vnd das Wetter aller Zeit,
Liebt einander umb die Wette,
Gott geusst über ewer Bette
Seinen reichen Segen aus,
Vnd führt her umb ewer Hauß
Eine starcke Wolfahrt-Kette.