Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Da Churfürstl. Durchl. Hr. Georg Wilhelm in hoher Begleitung ... von

Da Churfürstl. Durchl. Hr. Georg Wilhelm in hoher Begleitung Chur-Printzl. Durchl. Herrn, Hn. Friedrich Wilhelm, beyder Marggraffen zu Brandenburg, in Preußen etc. etc. Hertzogen etc. etc. hieselbst in Königsberg den 23sten HerbstM. 1638. erfreulichst einkahm

Der Himmel wil mir wol, ich kan von Glücke sagen,
Mars mag zufrieden seyn, daß Deutschland sich muß klagen,
Sein Leid nicht ab kan sehn, mag stillen seinen Muth,
Der unersättigt ist mit Raub' und MenschenBlut,
Weil das Verhängnuß ja es anders nicht wil leiden.
Hie gleichwol fählt es ihm, ich weiß mich zu bescheiden
So einer Huld und Gunst, dergleichen man kaum hat,
Wozu denn sonderlich Dein Glimpf und kluger Rhat
Behülfflich wolte seyn, Du Held von dem Geblüte
Der hohen Brennen, Du, den Tapfferkeit und Güte
Weit über Fürsten hebt, Du dieser Zeiten Lust,
Und Bild der Vorigen. Schaw was Du jetzund thust,
Dich dünckt, es were nichts in Friede mich zu setzen,
Wenn Deine Gegenwart mich auch nicht solt' ergetzen
Und zeugen, das Dein Sinn die Treu auff mich gewandt
Als je bißher ein Volck an Herren hat erkant,
Die göttlich sind wie Du. Und wessen werd' ich innen?
Dein Sohn, der Fürsten Preiß und Spiegel deiner Sinnen,
Die Hoffnung aller Welt und meine Zuversicht,
Kömpt auch und gönnt einmahl mir seines Glantzes Licht,
Der wahren Liebe Pfandt. O eine grosse Gnade!
Ein Zeugnus thewrer Huld und Freundligkeit! gerade
Als in der Fewers-Brunst ein treuer Vater thut,
Der zwar das eine Kind wil retten aus der Glut,
Doch für das ander auch, so der Gefahr entgangen,
Nicht minder Sorge trägt, indem es aus Verlangen
Die Armlein nach ihm streckt und ohn auffhören klagt
Auß Kummer, daß er sich hat in den Brand gewagt,
So thut ihr gleichfals mir. Wie wil ich an Euch beyden
Ergetzen Hertz und Sinn, wil Seel' und Augen weiden,
Wil sagen ungeschewt und aller Frewden voll,
Wie ich durch Euch erlangt das, was ich kan und sol.
Nur zieht in Gnaden ein! Ihr seyd auch diesem Lande
Der Trost, so ihm gehört, seyd mir auch mit dem Bande
Der Liebe fest verknüpfft. Dieß edle Hertzogthum
Heist Ewrentwegen so, Ihr Preussens höchster Ruhm,
Zieht ein und nemet war, wie alles Euch zu Ehren,
Die Lufft, das Haff, die See sich lesst mit Stürmen hören!
Der Herbst thut was er sol, er giebt dennoch bescheidt
So gut er kan und mag, daß Ihr zugegen seyd.
Dies mercket Cynthia, drumb macht sie sich zur Stunde
Zu ihrem Jäger-Volck, und nimpt die besten Hunde,
Hält fertig allen Zeug, schawt fleissig auff und wacht,
Ob etwan Euch geliebt den Ernst der Wilden Schlacht
Mit einer freyen Lust des Jagens zu vertauschen.
Man hört noch hie und da der Bäume Blätter rauschen,
Der Bäume, die ihr Laub nicht gäntzlich hingelegt,
Es wird für Euch, Ihr auch der Wälder Pracht, gehegt.
Nun kommt Ihr Helden? ja, ich aber muß gestehen,
Wie prächtig ich nun gleich Euch wolt' entgegen gehen,
Bezeugen meine Pflicht, mich schmücken umb und an,
Daß aller Witz und Kunst nichts dessen finden kan,
Was Ewre Zier erheischt, Doch weil auch alle Gaben,
So dieses Leben führt, nicht das Vermögen haben,
Wird Ewre Göttligkeit, Ihr meines Hertzens Schein,
Daß mehr als gülden ist, gefällig lassen seyn.
Dieß hat Prussilia mich newlich hören lassen,
Auff die Art redte sie, so viel ich kunte fassen,
Da dieses Helden-Paar auß Brennus grossem Stamm',
O Vaterland, bey dir hereingezogen kam
Und unsern Wunsch erfüllt. Als sie noch kaum geendet
Die Worte, hat sie sich zum Nagot erst gewendet,
Dann zu dem Pregel hin, sie rief der Alle zu,
Auch, Mümmel, dir und sprach: Seyd ihr bißher in Rhue
Und stiller Sicherheit biß in die See geflossen?
Habt durch die Wiesen euch mit stoltzer Flut ergossen?
An beyden Ufern her der Nymphen Liedt gehört,
Die Faunen lustig seyn? hat Phoebus euch geehrt?
Wil sich Diane gern der Jagt und Müh entladen
Mit ihren Najaden in ewren Strömen baden?
Trägt ewer Rücken Goldt und unerschöpftes Gut?
Schlägt alle Welt hier zu, sucht Nahrung, Schutz und Hut
Und findet was sie sol? besorgt sich keiner Waffen,
Kan aller Sorgen frey jetzt wachen, jetzund schlaffen?
Seht, Kinder, Dieses Haupt, das solche Rhue uns schenckt,
Hat jetzt in Gnaden sich hieher zu uns gelenckt
Und dieses Land erfrewt. Auff! uns wil jetzt gebühren,
So viel als möglich ist, Sie prächtig einzuführen
Und den Gehorsam so zu geben an den Tag,
Ein jedes schicke sich so gut es kan und mag,
Und ziehe statlich auff, wer unter Euch wird siegen,
Der sol zu Lohn mein Bild von klarem Bernstein kriegen.
Sie wurden sämptlich fro und stelleten sich dar,
Eins tritt dem andern vor, es scheint ihr Bart und Haar
Nur Graß und Schilff zu seyn. Der Nagot wolte pralen
Und hat ein schönes Schloß ihm künstlich lassen mahlen,
Daneben auch wie ihn der Weichsel-Strom erzeugt
Durch einer Nymphen Gunst, die jetzt ihm noch geneigt.
Der Pregel aber wolt' hierinnen keinem weichen,
Trug einen Lorber-Krantz, der Künste schönes Zeichen,
Die er für andern nährt, auch Wahren allerhand
Und Güter, die dem West und Norden sind bekant.
Ihm folgt der Mümmel-Strom gebraten von der Sonnen,
Trägt reiches Korn und Flachs, und was er sonst gewonnen
Durch seiner Russen fleiß, führt nach sich auff der Fahrt
Die Dudey und Schalmey, und Bären vieler Art.
Die All' hatt' ihren Schmuck, zu welchem du auch kamest,
Du der Passargen-Fluß, drangst dich hinzu und nahmest
Den letzten Platz nicht ein. Sie stehen allerseit
Und führen, wie geschiht, des Vorzugs halben Streit,
Als unverhofft ein Glantz und Leuchten sie umbgiebet.
Da vormals Juppiter die Semelen geliebet,
Sol er in solchem Plitz und hellen Glantzes Schein
In solchen Stralen nicht zu ihr gekommen seyn.
Prussilia erschrickt. Hierauff hat man vernommen,
Daß drey Göttinnen selbst ins Mittel seyn gekommen,
Die Erste ward vorauß durch Trefligkeit und Pracht
Für Juno angesehn, dann wie bey heller Nacht
Des Mondens Kertze gläntzt, so sahe man auch scheinen
Die Ihr am nächsten stundt, ich muste gäntzlich meinen,
Sie were Pallas gar, die Dritte, welcher Zier
Und Tugendt mich nicht treugt, gleich, edle Clio, dir.
Sie sind für allen frey hin zu den Fürsten gangen,
Und haben insgesampt Sie, unsern Schutz empfangen
Mit Reden, die ich nicht auß Schwachheit mercken kan,
Doch hub die Erste fast mit diesen Worten an,
Die sich auß Ihrem Mund als einem Quel ergossen
Und wie ein Honig-Seim und Nectar vor sich flossen:

Fürsten hält der Himmel Schutz
Mehr als sonst gemeinen Leuten,
Laß Bellonen Macht und Trutz
Noch so grimmig sie bestreiten,
Ihre starcke Gegenwehr
Ist der Himmel und sein Heer.

Held, den meine Seel erkiest,
Dessen Gegenwart mein Leben
Vnd mein höchster Wolstand ist,
Nicht gedencke darumb eben,
Das, weil du gefochten hast,
Ich geschwebt in Ruh und Rast:

Hat Penthesileen Macht
Mich nicht an den Feind gehetzet,
Hab' ich nicht in wilder Schlacht
Spieß und Schwerdt wie sie genetzet,
Ey, so hab' ich doch gethan
Was ich nur thun sol und kan.

Fragstu was? mein Feld-Geschrey
War in hitzigen Gebeten,
Die ich hiesse stündlich frey
Vor den Thron des Höchsten treten,
Meiner Pfeile Krafft und Kunst
War der heissen Seufftzer Brunst.

Meiner Thränen strenge Fluth,
Die kein Augen-blick gehemmet,
Hat des Feindes Ubermuth
Mehr als einmal fortgeschwemmet,
Daß sein Fundt und schlawer Raht
Nie sein Ziel erreichet hat.

Also bin ich jederzeit
Thätig, Heldt, wie du gewesen,
Und hab' einig das Geleit
Dir zu geben mir erlesen,
Keiner Waffen wiederstandt
Hat mich von dir abgewandt.

Meiner Sorgen Müh und Fleiß
Folgte wo du bist geritten,
Wiederwillen, Staub und Schweiß
Hab' ich auch wie du erlitten,
Allen Kummer, Furcht und Pein
Macht ich mir von wegen dein.

Ich war fertig, allem Thun
Mit Gedancken vorzukommen,
Dieses, sagt' ich, hat er nun,
Nachmals das ihm vorgenommen,
Jetzt gebeut er seiner Schar,

Jetzt geräht er in Gefahr.

Dein behertzter Helden-Sinn
Und dein außgeübter Degen
Geht zwar frey und sicher hin
Und hat unten nie gelegen,
Aber darumb, O mein Liecht,
Bin ich frey von Furchten nicht.

Ithacus hat Sieg und Preiß
Wieder seinen Feind erhalten
Und sein Lieb muß wie ein Eiß
Uber Ihm daheim erkalten,
Auch Achilles sieget wol,
Noch ist Thetis ängsten vol.

Nun, der gern mich höret, Gott,
Den ich darumb stets gepriesen,
Hat mich jetzt auch nicht mit Spott'
Und Verachtung abgewiesen,
Schafft, daß ich auff diesen Tag
Dich, mein Leben, sprechen mag.

Der gehofften Sonnen Schein
Kan zur See nach rauhem wehen
Leuten so gewünscht nicht seyn,
Als, nachdem ich dich gesehen,
Mich auff mein gehabtes Leidt
Deine Gegenwart erfrewt.

Gott, der in uns nährt die Glut
Dieser heissen Liebes-Flammen,
Lasse ja durch seine Hut
Uns nach diesem nicht von sammen,
Keines Glückes wieder-Sinn
Nehme mir dein Beysein hin.

Aber du, mein thewres Pfandt,
Sohn, durch den Wir sind genesen,
Es ist einig Gott bekant,
Wie mir da zu Muth gewesen,
Als die siche Lager stat
Dich fast hingenommen hatt'?

Ich entbrandte vor Begier
Dich in gegenwart zu schawen,
Doch du warest fern von hier,
Keiner Botschafft wolt' ich trawen,
Anders wolte mir nichts ein,
Als du würdest todt schon seyn.

Möcht ich, hub ich an, mein Kind,
Dich zu guter letzt noch küssen,
Jetzt, da wir geschieden sind,
Kan ich dich nicht einmal grüssen,
Weiß nicht, wo durch meine Trew
Etwa dir zu rathen sey.

Ach! wie sehnlich wirstu nun
Ein Verlangen nach mir tragen,
Wilt, ich sol dir Rettung thun,
Hast mir dieß und das zu sagen,
Ruffst mir, biß dir Krafft gebricht,
Aber Ach! ich hör' es nicht.

Doch thut hie auch Gottes Hand
Was ich mir gewünscht, mein Flehen
Hat er also umbgewandt,
Daß ich dich, mein Schatz, kan sehen,
Dich, und unsre höchste Rhue,
Deinen Vater, auch dazu.

O der hoch erfrewten Zeit!
Der uns so fern wil ergetzen
Woll' auch, was Euch beyderseit
Noch gebricht, gewünscht ersetzen,
Wie Ihr mich in Rhue gestelt,
Wunsch des Höchsten, Trost der Welt.

Die Rede hatte mir die Sinne so benommen,
Daß ich fast zu mir selbst nicht wieder kunte kommen,
Zuletzt besann' ich mich und sagte: Daß must Du,
O thewre Heldinn seyn, Du unsers Fürsten Rhue,
Charlotta, durch die Gunst des Himmels Ihm gegeben
Zu seyn Sein höchster Trost, Sein Auffenthalt und Leben,
Was aber hat man Dich für Juno angesehn?
Verzeyh', O unser Liecht, was dießfals ist geschehn.
Dein Ansehn, so an Dir nur himmlisch sich eräuget,
Ist dieses Irrthums Schuldt. Zwar Juno hat gezeuget
Den grimmen Bluthundt Mars, Du bringst an dieses Liecht
Den Herren, der uns Huld und Freundligkeit verspricht,
Die Du Ihm angeerbt, Du hast bey dem Geblüte
Und hohen Ankunfft auch Dein Fürstliches Gemüte,
Die Gaben Ihm ertheilt. Durch Haß und wilden Brandt
Hat Juno, wie man weiß, viel Länder umbgewandt
Und auff den Grundt zerstört, durch Langmuth Deiner Sinnen
Und grosse Liebe wird viel feindliches Beginnen,
O Fürstinn, eingestellt, Dein Wunsch ist fort und fort
Nur Glück und guter Standt, Du bist ein süsser Port
Dem, der bedrenget ist. Wer weis sich wol der Armen
Und Widwen so wie Du, O Mutter, zu erbarmen?
Dieß ist Dein eigen Lob, man tritt kaum vor Dich hin,
So wallt Dir schon das Hertz, und treibet Deinen Sinn
Zu sehn nach Hülff und Rhat, bey aller Noht der Deinen,
Ob schon die Augen nicht, so muß Dein Hertz doch weinen
Auß Wehmut, welche Dich für allen in der Welt
Dem Höchsten, der Dich liebt, zum nächsten hat gestellt
Und durch kein Glück und Fall wird folgends von ihm trennen,
Weil Du sehr eiffrig must nach seiner Liebe brennen.
Das zeugt die Gottes-Furcht, mit der Du Tag und Nacht
Die wehrte Zeit verbringst, die Deine beste Macht
Für alles Unglück ist. Was aber wil mein Segel
Auff dieses weite Meer? Ich bleib' im stillen Pregel
Und lasse nicht mein Boht in solche Wellen ein.
Wer solche Trefligkeit und dieser Gaben Schein
Zu singen ihm getrawt, muß so gebückt nicht gehen,
Nicht irrdisch seyn wie ich, muß können sich erhöhen
Durch Lufft und Himmel weg. Auch Opitz würde fast
Hierinnen furchtsam seyn und schewen diese Last,
Ob seines Geistes Krafft schon viel bißher getragen
Und sich an manches Lob mit Rhum hat thüren wagen,
Wozu ich gantz nicht taug. Sey glückhafft umb und an
Und habe, was Dein Hertz ihm wünschen sol und kan,
Du Spiegel dieser Zeit! Ich aber wil mich wenden
Zu meinen Seiten hin, wiewol mit schwachen Händen,
Wil singen, was darauff die Andre hat begunt,
Von der ich dieses nur auß Schwachheit fassen kunt:

Ob ich mich bethört entzünde
Mit vergebner Fröligkeit,
Oder in der That empfinde,
Wessen sich mein Hertz erfrewt?
Seyd Ihr kommen oder nicht,
Ihr, O unsre Zuversicht?

Die in Furcht und Hoffnung hangen,
Sind zu zweiffeln angewehnt,
Gläuben nicht, wann sie erlangen
Daß, wornach sie sich gesehnt.
Was man hofft ohn Angst und Pein,
Geht gantz ungezweiffelt ein.

Nein, ich seh', es kan nicht triegen,
Meine Frewd ist küntlich war,
Ihr, mein hertzliches Begnügen,
Macht es alles Sonnenklar,
Ewer Glantz nimpt meinem Sinn
Allen Traum und Irrthum hin.

Ich bin von Euch überführet
Ewer süssen Gegenwart,
Ob mir nicht zu thun gebühret,
Was die Zeit her ist erspart?
Wend' ich jetzt nicht mein Gemüt'
Auff ein süsses Frewden-Liedt?

Ja! was aber wollt, ihr Thränen?
Weinen ist zu zeiten gut,
Jetzundt must ihr Euch entwehnen,
Meine Augen, ewrer Flut,
Warumb ihr geflossen seydt,
Hat mich numehr hoch erfrewt.

Gläubet diesen trewen Zeugen,
Mein Herr Vater, und auch du,
Süsser Bruder, ich wil schweigen,
Mein Gesicht helt doch nicht Rhue,
Zeigt durch stumme Redner an,
Wie mein Hertz nach Euch gethan.

Hat so frü' der Sonnen Wagen
Je auch auff zu seyn begehrt,
Daß ich über seinen Tagen
Mich zum höchsten nicht beschwert
Und gefleht umb diesen Tag,
Dar- ich Euch-an-sprechen mag?

Keine Ruh hat mich umbfangen,
Und so still war keine Nacht,
Welche nicht durch mein Verlangen
Trüb' und schlaffloß ward gemacht,
Mond' und Sterne wusten schon
Meinen Leid- und Klage-Thon.

Nichts wolt' einen Muth mir geben,
Wo man aller Lust vergist
Und nur Leidt trägt, war mein Leben,
Wo mir das ein Leben ist,
Mein Gebet ohn Ruh und Rast
War bey Gott nur nicht verhast.

Numehr habt Ihr zu ermessen,
Wie mir wol zu muthe sey,
Aller Müh ist nun vergessen,
Mein Gemüth' ist loß und frey,
Schickt der Sorgen Ach und Weh
Auff die Wellen und die See.

Meine Stimme muß sich schwingen
Durch der Wolcken blawes Dach,
Aber was ich weiß zu singen,
Was ich treibe vor und nach
Ist: mein' Hoffnung, Trost und Zier
Lebt, Gott Lob, und ist schon hier!

Wer könte nicht hierauß Dich, O Louyse, kennen?
Und wolte man dich gleich, Princessin, Pallas nennen,
Was wär' es groß gefehlt? Du bist mit dem begabt
Das, wie man sagen wil, Minerve hat gehabt,
Die Weißheit, den Verstand: Du bist ein Bild der Jugend,
Der Deinen Pracht und Licht, der Zucht geehrte Tugend
Wohnt dir so sehr im Sinn und in Geberden bey,
Als ob sie nirgends sonst denn hie zu finden sey.
Die letzte schiene mir sehr frewdig vorzukommen,
Von Der ich, ist mir recht, in Einfalt dieß vernommen:

Gnug geklaget, gnug geweint!
Kummer, ärgster Lebens-Feind,
Geh und trolle dich von hinnen!
Zweyer Liebsten Ankunfft macht,
Daß ich singe gute Nacht
Trawrigkeit, du Pest der Sinnen!

O Herr Vater, süsses Heil,
Und mein Bruder, bestes Theil
Dieser Seelen, so dich liebet,
Kompt! dem Höchsten ist bekandt,
Wie nach Euch sich dieses Landt
Hat gesehnet und betrübet.

Kompt! mit Euch kömpt Frewd' und Glück,
Dieser helle Gnaden-Blick
Ist an stat der güldnen Sonnen,
Die sich umb dieß gantze Feldt
Weit und breit verborgen helt,
Weil es ewren Glantz gewonnen.

Auff, Thalia, meine Zier,
Komm und singe neben mir,
Schlag auff den berühmten Seiten!
Netze, Herbst, nicht als du thust,
Kehre dich in Vorjahrs Lust,
Last, ihr Winde, lasst das Streiten!

Komm geflügelt, sanffter Ost,
Bring durch deiner Stimme Trost
Tulpen, Rosen und Violen!
Lachst du meiner Bitte gar?
Dencke nach, zu wessen Haar
Ich mir jetzt wil Blumen holen.

Vater, nimm was dir gebührt,
Den Gehorsam, welcher rührt
Aus des Hertzens tieffen Hölen,
Schaw auff meinen trewen Sinn,
Weissest du nicht wer ich bin?
Ich, die Funcke deiner Seelen.

Hertzer Bruder, mich verdreusst,
Daß ich meiner Liebe Geist
Nicht so mercklich kunt kan geben:
Meiner Zungen Krafft gebricht,
Etwas anders weiß ich nicht;
Kurtz, ich liebe dich, mein Leben!

Speis' und Tranck und alle Welt
Ward mir auß dem Sinn gestelt,
Meine Grabschafft woltt' ich wissen,
Als das Fieber, und zuletzt
Auch der Todt schon an dich setzt'
Und dein Leben wolte schliessen.

Seyt, Ihr Parcen, ja so wildt,
Sagt ich, daß ihr ihn, mein Bildt
Mir nicht länger hie wolt lassen,
Thut nur dieses, und verleiht,
Daß wir uns erst beyderseit
Recht gesegnen und umbfassen.

Nun, des Höchsten Vater-Trew
Hat mein sehnliches Geschrey
Lassen statt vor ihm gewinnen:
Gott und Himmel sind dir hold,
Dein Verhängnus muß nur Gold
Dir zu deinem Leben spinnen.

Wol uns allen, wol auch dir!
Was man denckt und sagt allhier,
Ist von ewrem Wolergehen,
Aber niemand wird geschawt,
Der sich neben mir getrawt,
Was das Hertz belangt, zu stehen.

Wie, wann zur See Neptun vom Vater Ocean
Beräuscht nach Hause fährt durch seine nasse Bahn,
Und etwan Triton lesst die See-Trompet erschallen,
Der Doris sonderlich zu günstigem Gefallen,
Die aus den Wellen schawt, die Faunen ohn gefehr
Als wildes tummes Volck sich umb das Ufer her
Versamlen, und den Thon bestürtzt und Sinnloß hören,
So kam es uns auch vor, was Hedwig da zu ehren
Den grossen Fürsten sang, denn Hedwich must' es seyn,
So viel die Rede Gab, die durch der Jugend Schein
Und göttliche Gestalt für Clio ward geschätzet.
Wir hatten allerseit uns über dem entsetzet
Was vorgelauffen war, und niemand wuste da
Was weiter sey zu thun, so das Prussilia,
Die kurtz zuvor viel Dienst und Pflicht auff sich genommen,
Und jederman hiedurch gemeinet vorzukommen,
Den Muht gantz sincken ließ, sprach ihre Völcker an:
Ihr Kinder, hört und seht, daß mein Thun gar nicht kan
Gerahten als es sol, was wir im Sinne hatten,
Wird gegen diesem Licht zur Nacht, zu finsterm Schatten.
Wer sich mit etwas sonst hierauff hervorthun wil
Wird wieder allen Danck zu einem Affen-Spiel
Und muß verlachet seyn. Doch wollen wir gedencken,
Es werden sich auch noch zu unsrer Einfalt lencken
Die Helden beyderseit, und zeugen durch den Schein
Der Gnaden über uns, das Sie auch Götter seyn,
Die auff den Willen sehn und nach dem Hertzen fragen,
Daß offt bey ihnen wol so viel pflegt zu verschlagen
Als sonst ein feistes Rind, als hundert Lämmer Blut
Und was der Gottes-Dienst zum Opffer mehr abthut.
Damit wir aber so nicht von einander giengen,
Trug sie mir auff zuletzt ein Liedchen noch zu singen
Auff solchen Frewden-Tag, zwar anfangs thurst ich nicht,
Doch sagt' ich endlich selbst: Gehorsam, Dienst und Pflicht
Muß seyn so gut es kan, den Willen zu bezeugen
Erheischt nicht allzeit Kunst. An diesem Tage schweigen,
Da alles singt und lacht, kriegt eines Undancks Lohn,
Drum fasst' ich einen Muht und sang auff diesen Thon:

Schallt, ihr helle Feldt-Trompeten!
Blitzt und klinget, ihr Mußqueten,
Lasst den wilden Drommel-Schlag
Uns Gehör und Sinn betäuben!
Dieses Wesen sol man treiben
Fort und fort den gantzen Tag!

Ihr Carthaunen und Geschütze,
Wozu seydt ihr hie sonst nütze?
Lasset ewren Donner auß!
Lasst das Erdreich sich erschüttern,
See und Haff und Pregel zittern,
Und erschreckt der Sternen Hauß!

Brandenburg, die Zucht der Helden,
Kan Georg und Fridrich melden,
Jenen, Vater, diesen, Sohn,
Fürsten, die durch thewre Gaben
Alles überstiegen haben,
Auch der hohen Sonnen Thron.

Diese wil das Land empfangen,
Unsers Hertzogthums Verlangen,
Solche Herren, welcher Preiß
Auch der Alten Lob bezwinget
Und mit hellen Stralen dringet
Durch der weiten Erden Kreyß.

Lasst uns keiner Frewde sparen!
Die ihr geht mit greisen Haren,
Die ihr an den Brüsten seyt,
Mütter, Jüngling' und Jungfrawen,
Arm und Reich, ihr müsset schawen,
Nach gewünschter Fröligkeit.

Lasst der Kurtzweil Zaum und Zügel,
Zwingt den Zorn, und schiebt den Riegel
Allen bleichen Sorgen vor,
Ladet ein gewünschte Sachen,
Sperret auff für Schertz und Lachen
Hin und wieder Thür und Thor.

Euch, Ihr Helden, bloß zu ehren,
Euch lesst Jung und Alt sich hören,
Euch wird keiner Lust gespart:
Was in Häusern jetzt geschiehet,
Was man auff den Straßen siehet,
Kömpt von Ewrer Gegenwart.

Was, Ihr Lichter, werdet spüren
In den Fenstern, vor den Thüren,
Nimpt Euch sämptlich frölich an,
Kompt, O Hoffnung, wird gesungen
Mit der Kehlen, mit der Zungen,
Mit dem Hertzen wie man kan.

Dieser Reuterey Gepränge,
Dieses Wesen, das Gedränge
Scheinet etwas zwar zu seyn,
Aber dieses geht vor allen,
Das man hört einhellig schallen:
Unsre Häupter ziehen ein.