Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Meine Schürze hat Mutter ans Fenster gehangen von

Meine Schürze hat Mutter ans Fenster gehangen,
da sind viele Burschen vorübergegangen;
Sprach Mutter: Jetzt hole dir einen ins Haus!
Ich seufzte, ich weinte und sah nicht hinaus.

Er ist ja doch nicht mit vorübergegangen,
auf den ich gerichtet mein heißes Verlangen.
Wer trägt ihm die Zeitung weit über das Meer,
und holt ihn zur fröhlichen Brautjagd her?

Ich möchte an den Mast meine Schürze binden,
ich möchte sie geben den Wogen und Winden:
Und säh er sie wehen von fern in der Luft,
er würd es wohl ahnen, wohin sie ihn ruft!

Und soll dem Erwählten mein Tüchlein ich senden,
ich trag es ihm zu mit eigenen Händen,
Ich werf es ins wogende Meer hinab:
Schwimm, Tüchlein, und sag ihm, wie lieb ich ihn hab.

Und ist er nicht über den Fluten zu sehen,
so mußt du tiefer hinuntergehen,
Und wo er mag liegen und pflegen der Ruh,
da breite dich über und deck ihn mir zu.

Und ruft in ein Engel zum jüngsten Gerichte,
da fühlt er ds Tüchlein auf seinem Gesichte,
Und merket in seinem erwachenden Sinn,
Wie treu ich im Tod ihm gewesen bin.