Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

O Ewigkeit, o Ewigkeit! von

O Ewigkeit, o Ewigkeit!
Wie lang bist du, o Ewigkeit!
Doch eilt zu dir schnell unser Zeit,
gleich wie das Heerpferd zu dem Streit,
Nach Haus der Bot, das Schiff zum G'stad,
der schnelle Pfeil vom Bogen ab.

O Ewigkeit, o Ewigkeit!
Wie lang bist du, o Ewigkeit!
Gleich wie an einer Kugel rund
kein Anfang und kein End ist kund,
Also, o Ewigkeit, an dir
noch Ein- noch Ausgang finden wir.

O Ewigkeit, o Ewigkeit!
Wie lang bist du, o Ewigkeit!
Du bist ein Ring unendlich weit:
dein Mittelpunkt heißt Allezeit,
Niemal der weite Umkreis dein,
weil deiner nie kein End wird sein.

O Ewigkeit, o Ewigkeit!
Wie lang bist du, o Ewigkeit!
Hinnehmen könnt ein Vöglein klein
all ganzer Welt Sandkörnlein rein:
Wenn's nur eins nähm alle tausend Jahr,
nachdem wär nichts von dir fürwahr!

O Ewigkeit, o Ewigkeit!
Wie lang bist du, o Ewigkeit!
In dir, wenn nur all tausend Jahr
ein Aug vergöß ein kleine Zähr,
Würd wachsen Wasser solche Meng,
daß Erd und Himmel wär zu eng.

O Ewigkeit, O Ewigkeit!
Wie lang bist du, o Ewigkeit!
Der Sand im Meer und Tropfen all
sind nur ein Bruch der einen Zahl;
Allein schwitzt über dir umsunst
die tiefste Meß- und Rechenkunst.

O Ewigkeit, o Ewigkeit!
Wie lang bist du, o Ewigkeit!
Hör, Mensch: So lange Gott wird sein,
so lang wird sein der Höllen Pein,
So lang wird sein des Himmels Freud!
O lange Freud! o langes Leid!