Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

O Gott, du frommer Gott, du Brunnquell guter Gaben von

O Gott, du frommer Gott, du Brunnquell guter Gaben,
Ohn den nichts ist, was ist, von dem wir alles haben:
Gesunden Leib gieb mir, und daß in solchem Leib
ein unverletzte Seel und rein Gewissen bleib.

Gieb, daß ich thu mit Fleiß, was mir zu thun gebühret,
Wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet;
Gieb, daß ich's thue bald, zu der Zeit da ich soll,
und wann ich's thu, so gieb, daß es gerate wohl.

Hilf, daß ich rede stets, womit ich kann bestehen,
Laß kein unnützes Wort aus meinem Munde gehen;
Und wann in meinem Amt ich reden soll und muß,
so gieb den Worten Kraft und Nachdruck ohn Verdruß.

Findt sich Gefährlichkeit, so laß mich nicht verzagen,
Gieb einen Heldenmut, das Kreuz hilf selber tragen.
Gieb, daß ich meinen Feind mit Saftmut überwind,
und wann ich Rat bedarf, auch guten Rat erfind.

Laß mich mit jedermann in Fried und Freundschaft leben,
Soweit es christlich ist; willst du mir etwas geben
An Reichtum, Gut und Geld, so gieb auch dies dabei,
daß von unrechtem Gut nichts untermenget sei.

Soll ich auf dieser Welt mein Leben höher bringen,
Durch manchen sauren Tritt hindurch ins Alter bringen,
So gieb Geduld; vor Sünd und Schanden mich bewahre,
daß ich mit Ehren trag all meine grauen Haar.

Laß mich an meinem End auf Christi Tod abscheiden;
Die Seele nimm zu dir hinauf zu deinen Freuden,
Dem Leib ein Räumlein gönn bein seiner Eltern Grab,
auf daß er seine Ruh an ihrer Seiten hab.

Wann du die Toen wirst an jenem Tag erwecken,
So thu auch deine Hand zu meinem Grab ausstrecken;
Laß hören deine Stimm und meinen Leib weck auf
und führ ihm schön verklärt zum auserwählten Haus.