Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Schlaf, mein süßes Kind! von

Schlaf, mein süßes Kind!
draußen weht der Wind;
Höre, wie der Regen fällt,
horch, wie Nachbars Hündchen bellt!
Hündchen hat den Mann gebissen,
hat des Bettlers Kleid zerrissen,
Bettler läuft geschwind, geschwind.
Schlaf, mein süßes Kind!

Still, mein süßes Kind!
draußen geht der Wind.
Häschen, Häschen spitzt das Ohr,
sieht aus langem Gras hervor;
Jäger kommt im grünen Kleide,
jagt das Häslein aus der Weide,
Häschen läuft geschwind, geschwind.
Schlaf, mein süßes Kind!

Schlaf die Wänglein rot,
hast noch keine Not:
Täubchen fliegt auf Feld und Flur,
fliegt und sucht ein Körnlein nur,
Und die Kleinen, still und bange,
sprechen: 'Mutter bleibt so lange,
Mutter bleibt bis Abendrot',
schlaf, hast keine Not.

Kannst nun ruhig sein,
Bettler kehrt schon ein,
Häschen schläft auf Stacheldorn,
Häschen liegt nun schon im Korn,
Täubchen füttert seine Jungen,
Vöglein hat nun ausgesungen,
müd ist alles, groß und klein:
schlaf nun ruhig ein!