Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Was glänzt dort vom Walde im Sonnenschein? von

Was glänzt dort vom Walde im Sonnenschein?
hör's näher und näher brausen.
Es zieht sich herunter in düsteren Reihn,
und gellende Hörner schallen darein
und erfüllen die Seele mit Grausen.
Und wenn ihr die schwarzen Gesellen fragt,
das ist Lützows wilde, verwegene Jagd.

Was zieht dort rasch durch den finstern Wald,
und streift von Bergen zu Bergen?
Es legt sich in nächtlichen Hinterhalt,
das Hurra jauchzt, und die Büchse knallt,
es fallen die fränkischen Schergen.
Und wenn ihr die schwarzen Jäger fragt:
das ist Lützows wilde, verwegene Jagd.

Wo die Reben dort glühen, dort braust der Rhein,
der Wütrich geborgen sich meinte;
Da naht es schnell mit Gewitterschein,
und wirst sich mit rüst'gen Armen hinein,
und springt ans Ufer der Feinde.
Und wenn ihr die schwarzen Schwimmer fragt,
das ist Kützows wilde, verwegene Jagd.

Was braust dort im Thal die laute Schlacht,
was schlagen die Schwerter zusammen?
Wildherzige Reiter schlagen die Schlacht,
und der Funke der Freiheit ist glühend erwacht
und lodert in blutigen Flammen.
Und wenn ihr die schwarzen Reiter fragt,
das ist Lützows wilde, verwegene Jagd.

Wer scheidet dort röchelnd vom Sonnenlicht,
unter winselnde Feinde gebettet?
Es zuckt der Tod auf dem Angesicht,
doch die wackern Herzen erzittern nicht,
das Vaterland ist ja gerettet!
Und wenn ihr die schwarzen Gefallnen fragt,
das war Lützows wilde, verwegene Jagd.

Die wilde Jagd und die deutsche Jagd
auf Henkers Blut und Tyrannen!
Drum die ihr uns liebt, nicht geweint und geklagt;
das Land ist ja frei und der Morgen tagt,
wenn wir's auch nur sterbend gewannen!
Und von Enkeln zu Enkeln sei's nachgesagt:
Das war Lützows wilde, verwegene Jagd!