Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Wer singet im Walde so heimlich allein? von

Wer singet im Walde so heimlich allein?
o du liebe, liebe Seel! o mein einziges Kind! o weh!*)
Und die Kirchenglocken sie läuten darein.
Und das Scheiden und das Weiden, wie thut es so weh!
Ade, ade, ich seh dich nimmermeh!

Herr Ulrich kam aus dem Krieg und er sang,
und er sang, daß der Wald und das Feld erklang.

„Dein hab ich gedacht in Kampf und Not,
vom Morgen früh bis zum Abendrot.

Ich hab dich geliebet so lange Zeit,
und ich liebe dich heut und in Ewigkeit.

Ihr Träger, lasset die Bahre stehn,
ich muß noch einmal mein Liebchen sehn."

Und als er erhub den Deckel vom Sarg,
und den Kranz, der Annelis Angesicht barg,

Herr Ulrich auch kein Wörtlein sprach,
vor sehnendem Leid sein Herze brach.

*)Anmerkung. Die 2., 4. und 5. Zeile bei jeder Strophe zu wiederholen