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Da Se. Churfürstl. Durchl. unser gnädigster Herr Ihren höchstangenehmsten Gebuhrts-Tag beg von

Da Se. Churfürstl. Durchl. unser gnädigster Herr Ihren höchstangenehmsten Gebuhrts-Tag begingen, und in Ihr 35stes Jahr traten

1654. den 16. Horn.

Als newlich sich bey uns die Pest-Seuch' eingedrungen,
Wir wurden von dem Tod' ohn Unterscheid verschlungen,
Der wilde Glocken-Klang ging grausam und ohn Ruh,
Die Gassen waren leer, die Häuser stunden zu.
Man hörte bey der Nacht die Hund' erschrecklich heulen,
Das Klopffen an die Thür und den Gesang der Eulen,
Was sag' ich von der Furcht, die allzeit grösser war
Und ärger uns verheert' als nimmer die Gefahr.
Wer hatte dazumal Gedancken zu erleben
Den hochgewünschten Tag, der ChurFürst, Dich gegeben
Der Welt und uns vorauß? wer kunt' in Hoffnung stehn,
Dein hochgewünschtes Fest mit Freuden zu begehn?
Was mich betrifft, an mir ist zwar nicht viel gelegen,
Ich dennoch hatte mich des Lebens schon erwegen,
Mein armes Hauß bestellt, die Seel in mir bedacht
Und zu der letzten Fahrt mich gantz geschickt gemacht.
Nun hat, durch Gottes Gunst, das Wetter sich verzogen,
Der Plagen ist gewehrt, waß auff das Land verflogen
Und wie verirret war, kömmt wieder in die Stad,
Der Gottes-dienst, der dünn so lang gewesen, hat
Die Kirchen wieder voll, es wimmelt, wie vor Zeiten,
So wol von frembdem Volck, als sonst von Bürgers-Leuten,
Der weise Helicon, Apollo und sein Chor
Betreiben ihr Gewerb' und Kunst-werck wie zuvor.
Der Anfang ist gemacht von Gott und seiner Güte
Durch Andacht-reichen Danck, daß Er stets im Gemühte
Mehr fromm als zornig ist, und nichts durch diese Zucht
Als unsre Besserung und Seligkeit gesucht.
Wie dieses kaum geschehn', bringt uns der SonnenWagen
Den schönen Tag, der Dich geboren, Held, getragen,
Der abermal zu Gott das Hertz' in uns erhebt,
Daß wir nach der Gefahr die wehrte Zeit erlebt,
Und in dem Leben Dich, O unser Leben, schawen,
Ohn welchen unsre Zeit wär' eitel Angst und Grawen
Und Wartung grosser Noht, sagt' uns Saturn auch gleich
Sein erstes Alter zu, der Zeiten güldnes Reich.
Was ist nun unsre Pflicht? kalt, träg' und müßig stehen,
Und nicht, als sich gebürt, das wehrte Fest begehen?
Das wolte nicht, der Dich, sein Pfand, uns hat geschenckt
Und seinen Vater-Sinn nicht schlecht zu uns gelenckt.
Die zarten Musen thun in ihrem Saal das ihre,
Ein jede sieht und sinnt, wie sie das Taglicht ziere
Mit Sachen, die sie weiß, die schläget das Bandor,
Die stimmt ihr Flöten-Werck, die sucht die Laut hervor.
Und ihnen allen sucht die Suada vorzukommen,
Als die sich wol bedacht, so wird ein Baum genommen,
Der uns Citronen bringt, durch die das Angesicht
Beliebt und schöner wird und alles Gifft zerbricht,
Der Fäulung ärgste Pest. Minerve fragt: Was sollen
Die Sachen, so du thust? Komm', hebt sie an, wir wollen
Ihm setzen diesen Baum, der künfftig Ihm allein
Und seinem Helden-Sinn sol stets geheiligt seyn.
Hat Phöbus Daffnen lieb, und Jupiter die Eiche,
Die Myrten Venus, Du das kräfftig' Öl-Gesträuche,
Die Pappeln Hercules, die Fichte wird begehrt
Von Cybelen, Lye hält seine Reben wehrt,
So sey der Citren-Baum des grossen Helden eigen,
Ihm blüh' er bester Art mit allzeit grünen Zweigen
Und Früchten, welcher Nutz thu Land' und Leuten wol
Und reich' auff alle Welt, die nachmals kommen sol,
Weil etwas kommen wird. Hab' ich denn nichts zu schaffen
Bey diesem Wercke, sprach die Göttinn strenger Waffen?
Er fasset jederzeit mich und mein Werck in Gunst,
Den Waffen ist Er hold und liebet auch die Kunst,
Der beyden Schutz ich bin, es mag der Baum bedeuten
Der Menschen beste Ruh, die reiche Friedens-Zeiten,
Doch daß er auch dem Feind' einjage Furcht und Rew,
So WIL ich, daß mein HELM ihm einverleibet sey,
Mein Helm, dem hiemit ich mein Ansehn zugegossen,
Der sey und bleib' hinfort den Lieb- und Bunds-genossen
Und Unterthanen Gnüg' und reiche Sicherheit,
Dem Trutz und der Gewalt nur Sturm und Hertzeleid,
Dem Stoltz' ein Untergangk. Der Musen heller Hauffen,
Und was von Leuten sonst kam eilends zu gelauffen
Auß der gedritten Stad, war froh' ob diesem Baum
Und schrie einhellig: Wachs, nim ein der Lüffte Raum
Und breite dich umbher mit Frucht-beschwerten Ästen,
Und deines Gipffels Höh' rühr an die Himmels-Festen,
Erfrew die gantze Welt mit ewig grüner Zier,
Es finden Mensch und Vieh' stets Nahrung untter Dir,
Die Unschuld Trost und Schutz, das Gifft verboßter Hertzen
Empfinde deinen Zwang, wil dich ein Wetter schertzen,
Ein Sturm ergretzen, rag beständig über ihn,
Daß er mit Spott und Hohn den kürtzern müsse ziehn,
Du aber bleib, so lang des Himmels Tage wehren,
Und biß die letzte Glut diß alles wird verzehren.
Der Pregel reckt' hervor sein starckbeeistes Har,
Und ob er wol von Frost Cristall und Eisen war,
So rührt er dennoch sich mit seinem harten Rücken
Zum Zeugniß seiner Lust, die Last der sieben Brücken
Fing gar zu knacken an, der starcken Stimmen Hall
Schlug an die Berg' umbher mit grossem Wiederschall.
Laß solche Demut, Held, in Gnaden dir belieben,
Es ist der Andacht Wind, wodurch sie wird getrieben,
Der Andacht, die vor Gott ohn unterlaß muß stehn
Und sehnlich thut nach dir und deinem Wolergehn.
Dieweil du aussen bleibst, und gar an keine Zehren,
Die dich hieher zu ziehn bemüht sind, dich wilst kehren,
Weil alles, was wir thun, nur wird umbsonst gethan,
So nimmt man deinen Tag für dich mit Freuden an.
Wir führen gleichsam Streit ihn heilig zu umbfassen,
Was Pflicht erdencken kan, das wird nicht unterlassen,
Wir dancken Gott dafür, wir fallen Ihm zu Fuß
Und bieten heimlich Ihm des Hertzens stillen Kuß.
Er raubt uns unser Leid, Er krönet uns die Faste,
Er zuckert uns den Wein, Er geht mit uns zu Gaste
Und sitzet oben an, ohn Ihn ist aller Klangk
Der Seiten ein Geheul, und Wasser aller Tranck,
Auch wär' es Nectar selbst. Er meistert uns die Worte,
Er ist der Zungen Zwang und thut die finstre Pforte
Der tieffen Hertzen auff, nichts wird hervor gebracht,
Es wird zuvor durch Ihn bewehrt und rein gemacht.
So bald erzehlet ist, wie Gott zwar die erhalten
Bey dieser Sterbens Sucht, die aber zu erkaltten
Genöthigt worden sind, und wie stets seine Trew'
Und Güte mit der Zucht vermischt gewesen sey:
So füllet das Gelach dein Tag und dessen Gabe
Die thewre Gabe, Du, wie Gott uns damals habe
So gnädig angesehn, als dich des Himmels Hand
Der Erden hat geschenkt, dieß alles wird erkant,
Und nahmentlich erzehlt. Der hebet an zu melden
Dein Ahnen-reiches Hauß und dessen tapffre Helden,
Ein ander lobet zwar dein hohes Fürsten-Blut,
Doch seystu weit noch mehr als Fürstlich an dem Muht,
Ihm fallen alle bey, der rühmt denn deine Jugend,
Die stracks hervor gethan die Stralen aller Tugend,
Dem andern regt dein Hertz das fromme Hertz den Mund
Und der thut deinen Glimpff, der deine Weißheit kunt.
Jetzt höret man, wie streng du haltest ob den Rechten
Und wie bemüht du seyst die Unschuld zu verfechten.
Der Boßheit EigenSinn, der Stoltzen Frechheit Trutz
Fühlt Rach' und Untergang, die Demut findet Schutz.
Jetzt wird die Gottesfurcht für andern hoch erhaben
Und was der Höchste sonst dir giebt für schöne Gaben,
Die über Menschen sind im strengen Ritter Spiel,
Das seinen tapffern Mann auch warlich haben wil,
Und auff der kühnen Jagt. Darüber deinem Leben
Durch einen Glaubens-Tranck wird aller Wunsch gegeben,
Biß uns die späte Nacht erinnern muß der Ruh,
Nach Hause bringt und schleust uns Sorg' und Augen zu.
Nun, dieß erweisen wir Pflichtschuldigst deinem Tage:
Wärst du, Held, selber hie, wie offt davon die Sage
Vor dem gewesen ist, was Lust würd' in gemein,
Durch deine Gegenwart, bey solcher Feyer seyn!