Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Mein letztes Hoffen wird erfüllt von

Mein letztes Hoffen wird erfüllt;
Ich scheide: stillt, ihr Freunde, stillt
Die Klagen, die jhr führet;
Hört endlich auff, es ist genug,
Mißgönt mir nicht den edlen Schmuck
Der Kronen, die mich zieret.
Gott selber reisst mich von euch hin,
Bey dem ich gleichwol lieber bin,
Ob mich nach euch verlanget;
Ihr liebet mich: Gott noch viel mehr,
Nach dessen Rath in andrer Ehr'
Itzt meine Seele pranget.

Was aller Frommen höchstes Gut
Vnd Hoffnung ist, durch Gottes Blut
So thewer vor erworben,
Besitz' ich schon. Welt, gute Nacht!
Der Anmuth deiner gantzen Pracht
Ist bey mir nun erstorben.
Nicht aller Reichthumb, alle Lust,
Vnd was dir hohes ist bewust,
Kan mich herwieder bringen:
Die süsse Ruh, der Engel Chor,
Die Seelen, die hieher zuvor
Sind kommen mich bezwingen.

Hier seh' ich, was der Zeiten List
Die Seele zu berücken ist,
Was Frewd' vnd Wollust können;
Hier lach' ich aller Menschen Müh'
Vnd Sorgen, die sie spat vnd früh
In jhrer Flucht beginnen.
Wie wann ein Schiff durch strengen Nord
In seine Sicherheit vnd Port
Itzt glücklich ist getrieben:
So bin ich auff der wüsten See
Der Welt entgangen allem Weh'
Vnd ruhe nach belieben.

Herr, deine hand mich sicher helt.
Daß mich forthin kein Vnglück fellt,
Das andre noch verwirret;
Du hast mich selber angethan
Mit deiner Krafft, daß ich der Bahn
Des Lebens nicht geirret.
Ich warte, wenn das feste Band,
Das jetzt der grimme Todt getrannt,
Sol wieder einig werden:
Da werd' ich erst für deine Trew
Dich loben, mir bezeiget frey
Im Himmel vnd auff Erden.