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Die grosse Nichtigheit von

Die grosse Nichtigheit
Der kurtzen Lebens-zeit
Bekümmert meinen Sinn,
Der Frewden güldner Schein
Muß gantz verloschen seyn,
Ich falle gar dahin:
Schaw, wie ein Rauch entsteht,
Dahin fährt, vnd vergeht,
Wie Schäm vnd Schatten weichen,
Wie man die Handt vmbwendt,
Ein Pfeil die Lüffte trennt,
So muß ein Mensch verbleichen.

Vnd dennoch, dennoch sind
Wir tolles Volck so blind
Vnd geben nichts darauff:
Wir bawen in die Welt,
Alß wer vns hie bestellt
Der Ewigheiten Lauff;
Der strebt durch Schwerd vnd Glut
Nach Ehre, der nach Gut,
Kan nicht ersättigt werden,
Indessen kömpt der Todt,
Vnd füllt vns mit dem Koht
Der lang-erkratzten Erden.

O Thorheit, welche man
Fast nicht ermässen kan!
Der Himmel ist vns schlecht;
Hie bawt man Hoff vnd Hauß
Vnd schläget dort offt aus
Das wahre Bürger-Recht:
Ach endlich ist es gnug,
Kompt, werdet einmal klug,
Seht, wo ihr ewig bleibet,
Wo weit von Pein vnd List
Der Seelen Ruhstat ist
Vnd kein Todt vns vertreibet.

Steht eilends auff, vnd wacht!
Es ist vmb Mitternacht,
Man klopfft schon an die Thür:
Verseht die Lampen wol,
Füllt sie mit Oele vol,
Der Breutgam ist schon hier.
Ach komm, Herr Jesu, bald!
Komm, vnser Auffenthalt,
Laß vns bereittet stehen,
Hie wohnt nur Müh vnd Streit,
Dort lauter Seeligheit,
Wir wollen mit dir gehen!