Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Ich bin auf mich in Zorn entbrand von

Ich bin auf mich in Zorn entbrand,
Empfinde Gram und Schmertzen,
Daß du, O Welt, du Kummer-Land,
Mir oft noch gehst zu Hertzen,
Daß ich aus diesem Schlamm vnd Wust
Nicht allzeit gern wil scheiden,
Such' in der Eitelkeiten Lust
Noch länger mich zu weiden.

Ja wenn nur das geringste Gut
Hie were zu befinden,
Darauf ich sicher meinen Muth
In Hoffnung könte gründen,
Ich wolt' auf mich den Sturm vnd Neid
In etwas fahren lassen,
Wolt' in mich fressen alles Leid
Vnd mit Gedult mich fassen.

Nein, nein, ich schawe hin vnd her,
Kan aber nichts ersehen,
Als nur ein boden-loses Meer
Der Sünden, so geschehen:
Da Tugend Schiffbruch leiden muß,
Da Bosheit wird erhöhet,
Vnd (ach! den Frommen zum verdruß)
Für vollem Segel gehet.

Ist irgends wo ein guter Mann,
Den heist der Tod erkalten,
Damit die Bösen vmb vnd an
Ja Platz allein behalten.
Betracht ich dieß in meinem Sinn,
So zürn' ich aller massen,
Daß ich nicht recht begierig bin
Dieß Leben zu verlassen.

Ein Christe, halt' ich, solte fast
Vmb Creutz den Höchsten bitten,
Daß er von dessen Wetters Last
Nur würde recht bestritten,
Damit die Eitelkeiten jhm
Versaltzet möchten werden,
Er spürt' hie nichts, als Vngestüm,
Vnd stürb' ein Feind der Erden.