Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Herr, es mangelt nicht an dir von

Herr, es mangelt nicht an dir,
Täglich schickstu zu vns Bohten,
Klopffst an vnsrer Hertzen Thür
Durch die grosse Zahl der Todten:
Täglich senckt man Leichen ein
Die vns heissen wache seyn.

Wie, wenn eine Wolcke treufft,
Es nicht groß gemerckt kan werden,
Daß das Wasser sich verschläufft
In den dürren Schohs der Erden:
Also schluckt das weite Grab
Vns, sein Mast-Vieh, stets hinab.

Lässest Du nicht fort vnd fort
Vns Begräbnis-Lieder singen?
Machst, daß täglich hie vnd dort
Trawrig alle Glocken klingen?
Nur daß ja ein jeder wol
An sein Ende dencken sol.

Selig ist, der sich von hier
Kan bey zeiten zu Dir wenden,
Vnd nimbt seinen Tod von Dir
Wie mit außgestreckten Händen,
Nicht sich an der Welt vergafft,
Vnd wird plötzlich hingerafft!

Bring, Herr, vnsern Sinnen bey,
Daß sie kennen dieses Leben,
Wie es gantz so eitel sey,
Vnd in jenes sich erheben,
Da kein Tod, kein Leid noch Pein
Ewig wird zu finden seyn!