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Petrus redet alle arme Sünder an, wegen erlangter Vergebung seiner Verleugnung Christi von

Petrus redet alle arme Sünder an, wegen erlangter Vergebung seiner Verleugnung Christi

Wer wegen seiner Sünden
Zum Herren Christo sich
Mit Glauben nicht darff finden,
Der komm vnd schawe mich!
Ich Petrus bin gewesen
In solcher Missethat,
Als nirgends wird gelesen,
Vnd sieh, ich finde Raht:

Ich habe Nein gesaget
Vnd Warheit sehr gespart,
Als ich vmb Ihn gefraget
Vnd hart besprochen ward:
Ich schwur mit falscher Zungen,
Als man mit Vngestümm
Vnd Macht in mich gedrungen,
Ich wüste nichts von Ihm.

Solt ich von Dem nicht wissen,
An dessen Wort es hieng,
Daß mir die Netze rissen
Von Fischen, die ich fieng?
Der an sich mich gezogen,
Mich Wunder lassen sehn,
Die auff den Wasserwogen
Durch seine Krafft geschehn?

Von dem ich selbst bekennet
Er wehre Gottes Sohn,
Dem ewig bleibt benennet
Des Vaters Krafft vnd Thron?
Der manche schöne Stunde
Die Seele mir durchnam,
Wenn auß dem süssen Munde
Ihm manche Predigt kam.

Ich habe gantz kein Leben,
Die Sonne kenn ich nicht,
Die Zunge bleibt mir kleben,
Der Geist in mir gebricht,
Bedenck ich mein Gebrechen,
Die vnerhörte That,
Das Sinnen-lose Sprechen
Das Ihn verleugnet hat.

Noch dennoch find ich Gnade
Für alle meine Schuld,
Mein mächtig grosser Schade
Hat doch bey Ihm Gedult:
Der Herr ist kaum erstanden,
Mir wird es angesagt,
Die Gnade sey verhanden
Auff alles, was mich plagt.

Was wil das Wort mir schencken:
Geht, sagt es Petro an?
Er wil nicht mehr gedencken
An das, so ich gethan;
Er rufft mich Ihn zu finden
Ins Galileer-Land,
Daß Tilgung meinen Sünden
Ja würde zugewandt.

Die Ihr nun auch mit Schulden
Sehr gröblich seyd befleckt,
Vnd spricht: Wie kan Gott dulden
Worinn ich mich gesteckt?
Es ist zu sehr versehen,
Die Sünd ist gar zu groß!
Wie wird mir doch geschehen?
Ich werd jhr nimmer loß.

Lasst mich ein Beyspiel werden,
Daß niemand, ob er wol
Gesündigt viel auff Erden,
Darumb verzagen sol!
Der gnädig mir gewesen,
Wird gnädig dir auch seyn,
Du wirst, wie ich, genesen
Von aller Noht vnd Pein.

Nicht daß du auff die Güte
Solt leben, wie du wilt;
Schaw, daß dich Recht behüte,
Gott-fürchten sey dein Schild,
Ob Sünden dich denn haben
Bethört durch schnöden Lauff;
Was Christus hat vergraben,
Das scharre du nicht auff.