Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Wander-Lied von

Wander-Lied

Dieß Pilger-Land lässt keinen ruhig bleiben,
Wir müssen stets vmbher vns lassen treiben,
So schickt es Gott, damit wir vns bey zeiten,
Zur letzten Fahrt aus dieser Welt bereiten:
Doch welcher inniglich
Mit zuvertrawen sich,
Auff seinen Gott kan gründen,
Ihm heimstellt Glück vnd Fall,
Der wird sich überall
Zu Haus' vnd wol befinden.

Ich lasse mich durch mein Verhängniß bringen,
Wohin das Liecht der Sonnen nicht kan dringen,
Wil jrrig gehn im heissen Mohren-Sande,
Werd' vnbekant zu Wasser vnd zu Lande,
Hab ich nur für vnd für
Gott, meinen Schutz, bey mir,
So wil ich selig leben,
Auch einen Lobgesang
Zu sonderlichem Danck
Ihm noch dabey erheben.

O Gott, der du die gantze Welt regierest,
Vnd vns, dein Volck, so wunderbarlich führest,
Komm, steh vns bey auff allen vnsern Wegen
Mit deinem Schutz vnd gnadenreichen Segen,
Sey auch an diesem Ort',
Herr, vns ein Felß vnd Hort,
Auff Den wir mögen bawen:
Wend' alle Noth vnd Pein,
Zieh mit vns aus vnd ein,
Vns, die wir Dir vertrawen.

Vnd, wenn wir nun den letzten Außzug halten
Aus dieser Welt, vnd durch den Todt erkalten,
Hilff vns getrost des Leibes Hütte räumen,
Daß wir vns nit aus schrecken selbst versäumen,
Brich ab dieß Erden-hauß,
Vnd führ die Seel' heraus,
Entreiß sie dem Getümmel,
Bring sie zu wahrer Ruh,
Vnd stell jhr wieder zu
Ihr Vaterland, den Himmel.