Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Als die Wolgeborne Fraw, Fraw Catharina, Frey Fraw zu Kittlitz von

Als die Wolgeborne Fraw, Fraw Catharina, Frey Fraw zu Kittlitz etc. Von dieser Welt seelig abgeschieden

den 9. Aprilis 1645.

Aus dem 73. Psalm Davids.

Herr, wohin sol ich mich kehren?
Wer kan Hülffe mir gewehren
In der Angst, die mich umbgiebt,
Vnd bis auf den Tod betrübt?
Ich kan selber mir nicht rathen,
Wegen meiner Missethaten,
Menschen helffen auch mir nicht,
Welchen Rettung selbs gebricht.

Nichts mag auff der weiten Erden,
Nichts im Himmel funden werden,
Das die Seel' in mir befreyht
Ihrer Furcht vnd Trawrigheit;
Sünde, Todt, vnd selbs die Helle
Vnd des Jammers tausent Fälle,
Was mir Angst vnd Schmertzen bringt,
Halten sämptlich mich umbringt.

Kanstu, GOTT, es dann gestehen,
Daß ich kläglich sol vergehen?
Wohnet nicht mehr Güt' vnd Trew
Deinem Vater-Hertzen bey?
Ey ich wil dennoch bekleiben,
Vnd an Dir, GOTT, allzeit bleiben,
Denn Du hältest meinen Stand
Fest an deiner Rechten Hand.

Niemals wird mein Fuß-tritt gleiten,
Denn ich sehe dich mich leiten
Richtig vnd nach deinem Raht,
Gieng ich auch des Todtes pfad.
Endlich, wenn mein Leid sich endet,
Daß dein Zorn sich hat gewendet,
Der versühnt noch werden kan,
Nimbstu mich mit Ehren an.

Ich wil nichts den Himmel achten,
Wil nach keiner Erden trachten,
Hab' ich dich, herr, mein Gewinn,
Allzeit nur in meinem Sinn;
Es sey nichts an mir zu finden,
Lass mir Leib vnd Seele schwinden,
So bist Du doch, GOTT, mein Heyl,
Meines Hertzens Trost vnd Theil.