Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Letztes Ehren-Gedächtnüs Seiner HochEdel Gestrengheit Christoff Joachim von Packmohr von

Letztes Ehren-Gedächtnüs Seiner HochEdel Gestrengheit Christoff Joachim von Packmohr, Königl. Mayt. zu Polen vnd Schweden etc. gewesenen Cammer-Herrn, auch Churfl. Durchl. zu Brandenburg etc. Hauptmans zu Oletzky etc. Welcher den 15. May 1645. durch ein seeliges Stündlein von Gott abgegefordert worden

O Gott, nu lässest Du mich hin
Aus diesem Leben fahren,
Weil ich durchaus nicht besser bin
Als meine Väter waren,
Du reissest mir den Faden ab,
Gleich wie ein Weber pfleget;
Ich werd' hienunter in das Grab
Ohn Wiederkunft geleget.

So bald des Leibes schwacher Sinn
Nur von mir ist gewichen,
So bin ich stracks gleich denen hin,
Die längst zuvor verblichen,
Vnd nun ein tausent Jahr vnd mehr
Wol außgeschlaffen haben,
Weg ist mein Thun, weg Stand vnd Ehr,
Weg alle meine Gaben.

Bald werd' ich von Verwesenheit
Mit Haut vnd Haar gefressen,
Die Welt hat mein in kurtzer Zeit
Gantz, wie ich jhr, vergessen.
Ich werde nichts, vnd währ' ich auch
Hie noch so ausserlesen,
Gleich einem Schatten, Traum vnd Rauch,
Vnd dem, der nie gewesen.

Sol ich deßwegen, HERR bey, Dir
Nun eben so vergehen?
Wird kein Gedächtnüs mehr von mir
In deinem Hertzen stehen?
Sol denn mein Fleisch, der Würmer spott,
Ohn Lebens-Trost verstäuben?
Bist Du im Todt' auch nicht mein Gott,
Wo sol mein' Hoffnung bleiben?

Das sey von Dir, O Höchster, fern,
Ich bin nicht so verdorben,
Ich lebe Dir nur, meinem HERRN,
Dir werd' ich seyn gestorben.
Vnd weil wir, Vater, Dich allein
Des Lebens GOTT erheben,
Werd' ich im Todte todt nicht seyn,
Ich sterb' vnd werde leben.

Denn Christus, (wie ich bin gelehrt)
Stirbt vnd ersteht im gleichen,
Auff daß er werd' ein Herr geehrt
Der Lebenden vnd Leichen,
Er lässt hierumb aus trewer Pflicht
Verwahren in die Erde
All mein Gebein, auff daß ja nicht
Nur eins verlohren werde.

Ich wil von Müntze, Timian
Vnd Nelcken Saamen holen,
Vermeng es, thue zu Majoran,
Die Saate von Violen
Vnd allen Blumen in gemein,
Ein Gärtner wird es kennen,
Vnd auch ein jedes Körnelein
Nach seinem Nahmen nennen.

Vielmehr kennst Du mich, werd' ich gleich
Zu Staub vnd Klöhßlein Erden,
Auch sol dies Fleisch zu deinem Reich
Noch aufferwecket werden.
Dies mein Geäder, Haut vnd Blut
Wird dennoch mir gewehret,
Hätt' Erde, Wasser oder Glut
Mich tausentmahl verzehret.

Mit dieser Hoffnung leg' ich mich
In Jesu Christi Wunden,
Auff, wahrer GOTT, nicht säume dich
Mit einer sanfften Stunden!
Ob Todt vnd Hell' vnd Satans List
Sich wieder mich erregen,
Wenn Du mir nur nicht schrecklich bist,
So bin ich obgelegen.