Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Als Herr Thomas Jencke, GerichtsVerwandter vnd Kauffmann der Altenstadt Königsberg von

Als Herr Thomas Jencke, GerichtsVerwandter vnd Kauffmann der Altenstadt Königsberg aus diesem Jammerthal in den ewigen Frewden-Saal von Gott versetzet worden

den 4. Junii 1647.

Was klagt man der Gerechten Seelen?
Sie fahren aus des Leibes Hölen
Hienauff in Gottes Hand:
Nicht Angst noch Quahl wird sie berühren,
Wol jhnen, ewig wol! sie führen
Den ausserwehlsten Frewden-Stand.

Man sieht sie an, als wenn sie stürben
Vnd durch die Hinfahrt gantz verdürben,
Der Wahnwitz halt sie todt;
Sie aber sind bey GOTT in Frieden
So bald Ihr Geist ist abgeschieden
Vnd leben ausser aller Noht.

GOTT steupt ein wenig hie auff Erden,
Dafur doch jhnen dort sol werden
Viel gutes, vnd viel Lieb' vnd Ehr'.
Wie wol sie hie viel Leidens haben,
Muß sie die Hoffnung dennoch laben,
Sie sterben nimmermehr.

Er hat in den Versuchungs Stunden
Sie seiner Liebe wehrt befunden,
Sie haben Ihm vertrawt,
Drumb sehn sie, daß Er sey der Alte,
Der ewig Bund vnd Glauben halte
Dem, der auff Ihn in Liebe bawt.

GOTT lässet Ihm doch die nicht nehmen
Die trew sind vnd sich sein nicht schämen.
Bleib heilig iederzeit,
So wird Er dich in Auffsicht fassen,
Vnd weder ietzt noch ewig lassen
Aus seiner Gnad' vnd Gütigkeit.


Genommen aus dem 13. Cap. des Buchs der Weißheit.