Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Freu, meine Seele, dich von

Freu, meine Seele, dich,
Dein Abschied nähert sich,
Der Herr wird jetzund kommen,
Hab' unbesorgten Wahn,
Es ist im huy gethan
So bist du hingenommen.

Wie ich umb Abends-Zeit
Mich leg' auff eine Seit,
Vnd gantz nicht kan besinnen,
Wenn mich der Schlaff befällt,
Nicht anders schickt die Welt
Vns durch den Tod von hinnen.

So ist des Glaubens Grund,
Dein höchster Trost, dir kunt,
Daß Christus zwar gestorben,
Doch aufferstanden sey,
Vnd uns durch solche Treu
Das Leben hab' erworben.

Halt durch des Geistes Arm,
Weil dir zum Hertzen warm,
Denselben fäst umbschlossen,
So fährst du warlich hin
Als hätte deinen Sinn
Ein sanffter Schlaff begossen.

Daß aber Fleisch und Haut
Stracks die Verwesung schaut,
Soll dieses dich bewegen?
Gott wird ihm das Gebein
Befohlen lassen seyn
Vnd deiner Asche pflegen.

Was von dem Himmel rührt
Wird Himmel ein geführt,
Da wirst du, Seele, schweben
In Glantz und Herrligkeit
Vnd aller Noht befreyt
Stets bey dem Herren leben.

So steh' in deiner Zier,
Die Mitternacht ist hier,
Dein Bräutgam kömpt gegangen,
Vnd klopfft auch, ist Er da?
Bist du es, Jesv? Ja!
Ey komm, du mein Verlangen.

O Erde, gute Nacht,
Dein' höchste Lust und Pracht
Ist doch versaltzt mit Leiden,
Ich ende meinen Lauff,
Mein Heyland nimpt mich auff
In seine Himmels-Freuden.