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Trost-Liedchen von

Trost-Liedchen

Dein ist, Gott, der Erden Kreiß
Vnd der Mensch darinnen,
Niemand kömpt von hinnen,
Niemand her ohn dein Geheiß,
Diß ist sein Belieben,
Eh wir sehn der SonnenStral
Steht schon vnsrer Tage Zahl
In sein Buch geschrieben.

Dieser eilt ein Kind von hier,
Der in grawen Haaren,
Der in solchen Jahren,
Die des Lebens beste Zier,
Da er solte Nützen
Seiner lieben Vater-Stad,
Seyn der Eltern Trost vnd Raht
Vnd jhr Alter stützen.

Diesen reißt die Darre fort,
Den die Pestilentze,
Den des Vaters Grentze,
Jenen wo ein frembder Ort:
Daß wir gleich den Blinden
Hierin tappen nach dem Licht,
Vnd durchaus in dein Gericht
Vnd nicht können finden.

Aber du, Herr, bist allein
Weißheit, Glantz vnd Stärcke,
Wilst in deinem Wercke
Von vns Vngemeistert seyn,
Hilff es vns erkennen,
Hemm du vnser Angst-geschrey,
Laß vns in Gedult vnd Rew
Stets dich Vater nennen.

Du allein kennst vnsre Zeit,
Niemand den du liebest,
Vnd sein End' jhm giebest,
Wird zur Vnzeit abgemeyt;
Wird er hin genommen,
Ob er jung ist, oder alt
Ey, gefiel dir, also bald
Wird er auch Vollkommen.