Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Des Himmels Seeligkeit stillt alles Hertzeleid von

Des Himmels Seeligkeit stillt alles Hertzeleid

Es. 35, 10.

War dieses nicht mein Hoffen
Vnd meines Glaubens Stütz,
So offt mich hätt betroffen
Die schwere Creutzes Hitz,
Das der Herr doch endlich würd
Mich von allem Bösen,
Von der Creutz vnd Sünden Bürd
Gnädiglich erlösen.

Vnd alsdenn würd Ich kommen
Gen Sion in die Stad,
Da alle Schar der Frommen
Die rechte Wohnung hat,
Da des Himmels FrewdenSchein
Vber Ihnen schwebet,
Seuftzen aber, Schmertz vnd Pein
Gantz ist überstrebet.

O süsses Himmel Leben!
O Frewd! O Herrlichheit,
Die Mir Mein Gott gegeben
Vor alles Creutz vnd Leid!
O wie wol ergetzest du
Meines Lebens Plagen!
O in was gewündschte Ruh
Wird verkehrt mein klagen.

Nur jauchtzen, Frewd vnd Wonne
Hat Mich ergriffen hie:
Gott selber ist die Sonne,
So mir scheint spat vnd früh:
Was auf Erden Euch betrübt,
Ist mir gantz verschwunden:
Was Trost vnd Erquickung gibt
Wird vmb Mich gefunden.

Laßt dieses in Euch stillen
Das schwäre Hertzen-leid,
In welchs vmb meinet willen,
Ihr jetzt gesetzet seid!
Denckt doch mir ist wol geschehn,
In der Frewd der Frommen:
Bald, bald solt Ihrs selber sehn
Vnd auch zu Mir kommen.

Laßt aber auch dieß Hoffen
Sein Ewres Glaubens Stütz,
Wenn Euch wo hat betroffen
Die schwäre Creutzes Hitz;
Das der Herr der Trewe Hirt,
Euch von allem Bösen
Endlich auch befreyen wird
Vnd zur Frewd erlösen.