Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Vater, deine Ruth' von

Vater, deine Ruth'
Hab ich gnug geschmecket,
Deines Eiffers Glut,
Hat mich stets erschrecket,
Vmb mein Leiden weist
Du erst allermeist.

Nunmehr wil es auch
Mit mir Abend werden,
Wie ein dünner Rauch
Auffsteigt von der Erden,
Wie ein Dampff entsteht,
Aber bald vergeht.

Also nehm' ich ab,
Meine krancke Glieder
Eilen in das Grab,
Alles legt sich nieder:
Ich bin alt und matt
Vnd des Lebens satt.

Aber weist du dich
Mein nicht anzumassen?
Wirst du jetzund mich
Hülff- und Trostloß lassen?
Wird dein Wort allein
Mir nicht Warheit seyn?

Ich wil Euch, sprichst du,
Seyn in bösen Tagen,
Auffenthalt und Rhu,
Euch im Alter tragen,
Ewer grawes Haar
Retten aus Gefahr.

Diß vollbring an mir
Die ich mühsam lebe,
Tag und Nacht zu dir
Meine Händ' auffhebe,
Vnd ohn unterlaß
Bin von weinen naß.

Wie ein Wandersmann
Nach der Herberg eilet,
Sieht kein Wetter an,
Nirgends sich verweilet,
Also sehn ich mich
Auch zu schawen dich.

Vnterdessen steh
Hie mir, Herr, zur Seiten,
Hilff mir alles Weh
Fein getrost bestreiten,
Tilge meine Schuld
Vnd verleyh Gedult.

Ist es dann dein Will'
Vnd ich sol verscheiden,
Ey so nimm mich still
Hin aus diesem Leiden,
Stell die wahre Rhu
Mir im Himmel zu.

Da an keine Qual
Mehr gedacht wird werden,
Da kein Thränen-Thal
Vnd kein Angst-Geberden,
Sondern Frewd allein
Wird ohn Ende seyn.

Da wil ich dir Danck
Mit den Engeln geben
Durch der Stimmen Klang
Deinen Ruhm erheben
Der du ewig Gott
Bist, Herr Zebaoth!