Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Beschaffenheit dessen, der des ewigen Lebens wil fähig werden von

Beschaffenheit dessen, der des ewigen Lebens wil fähig werden

Wer wird nach diesem Leben
In Glantz und Herrlicheit
Bey Gott ohn Ende schweben
In Christo hocherfrewt,
Wer wird in Gottes Hand
Der Gnüge fähig werden,
Die noch kein Sinn auff Erden
Kein Ohr noch Aug erkant?

Der, weil er hie muß wallen
Zugleich in Lieb und Pein
GOTT suchet zu gefallen
Vnd dienen ihm allein,
Sich ihm nur schuldig hält
Mit Gutt Leib und Gemüte,
Als der durch seine Güte
Gebeut die gantze Welt.

Der seinen Neben-Christen
So wie sich selber liebt
Und niemals ihn mit Listen
Noch offentlich betrübt,
Dem Hochmuth widerstrebt,
Das Vnrecht nicht kan leiden
Sucht Geitz und Zorn zu meiden
Auch keusch und heilig lebt.

Vnd ist es wo versehen
Sein Hertz ihm wird beschwert
Sich stracks mit Buss' und Flehen
Zu seinem Gott bekehrt,
Ihm heiße Thränen schenckt,
Die allzeit ihm gefallen
Für andern Opffern allen,
Daß er sich zu uns lenckt.

Vorauß der auff sein Ende
In allen Dingen sieht,
Vnd, wenn das kompt, behende
Sich hin zu Christo zieht,
Dem rechten Gnaden-Thron
Und wird in seinen Wunden
Der Leibes-Last entbunden
Und stirbt wie Simeon.

Der wird nach diesem Leben
In Glantz und Herrlicheit
Bey Gott ohn Ende schweben
In Christo hocherfrewt,
Der wird in Gottes Hand
Der Gnüge fähig werden
Die noch kein Sinn auff Erden
Kein Ohr noch Aug erkant.