Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

An denselben seelig verstorbenen lieben Mann von

An denselben seelig verstorbenen lieben Mann

Man wolte dich begraben,
Mein Ohm, und soltest nicht
Von mir ein Denckmal haben
Der Brüderlichen Pflicht;
Fällt unsre Lieb' auch nieder
Gleich vnter einen Stein,
Vnd sol, wie deine Glieder,
Mit eingescharret seyn?

Natura würd' es hassen
Durch die wir uns geliebt,
Vnd Phoebus mich verlassen
Der mir die Seiten giebt,
Die mich erhalten werden
Wenn ich schon längst verreckt,
Vnd mit der schwartzen Erden
Bin ewig zugedeckt.

Sey sicher, wenn die alle
So mir zu wieder sind
Aus Eiter-voller Galle,
Sind zehnmal Rauch vnd Wind,
So wird man uns noch zeigen
Belebt vnd jung vnd frey
Mich wegen meiner Geigen,
Dich wegen deiner Trew.

Ich weis vmb dein Gemüte
Drumb liebet' ich dich sehr,
Es fügt vns das Geblüte,
Der Sinnen Eintracht mehr:
Wo sind die süssen Stunden,
Wo mancher Wege Fahrt
Die vns genaw verbunden
Nach Brüderlicher Art?

Wie wir verknüpffet wahren
So war auch vnser Stand,
Es hat in gleichen Jahren
Die Schul uns beyd' erkant,
Wir freyten auch zusammen
Pohliynchen die ward mein,
Stracks nam in keuschen Flammen
Dich auch die Mackinn ein.

Fünff Kinder hab ich leben
Du sahst derselben vier,
Gott wird dem Fünfften geben
Auch bald der Sonnen Zier,
Doch wann es wird geschehen
Daß es das schöne Liecht
Des Tages gleich kan sehen,
Es sieht den Vater nicht.

Auch pflagst du stets zu klagen,
Gesund seyn wolle sich
Nie recht mit dir vertragen
Dieß eben klag' auch ich,
Hieraus pflag ich zu schliessen
Ich würd' erst sterben, nein,
Die Ordnung wird zerrissen,
Ich lebe, du gehst ein.

Was sol ich nun beginnen?
Wen geh ich ferner an
Mit so vertrauten Sinnen
Als wie ich dir gethan
Bey also bösen Zeiten
Als man sie je erkant,
Da mir von allen Seiten
Die Freunde sind entwandt.

Zwar dir ist wol gerahten
Jetzt siehest du den Gott
Von grossen Wunderthaten
Den Herren Zebaoth,
Den du im Sinn vnd Munde
Geführt hast jmmerdar,
Der in der Todes Stunde
Dein Felß vnd Beystand war.

Der lohnt mit ewign Gnaden
Dir für die grosse Trew
Die offtmals nicht ohn Schaden
Sprang allen Leuten bey,
Dein Vnschuld-reiches Leben
Dein Ernst im Christenthum
Wird jetzund reichlich heben
Der Ehren schönen Ruhm.

Wo aber sol ich finden
Ein solches trewes Hertz
Dem ich mich mag verbinden
Auff ernst seyn oder Schertz?
Beginnt mein Glück zu wüten,
Das jhm nicht seltzam ist,
Vor wem sol ich ausschütten
Was mich im Hertzen frisst?

Es stärckt mich aber wieder
Daß ich dir folgen sol,
Dieß melden meine Glieder,
Schlaff du indessen wol,
Die Sicherheit umbschliesse
Mit Stille dein Gebein,
Vnd deine Grabstat müsse
Durchaus geheiligt seyn.