Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Auff etwas seinen Muth von

Auff etwas seinen Muth,
Vnd ruht nicht bis es ihm kan werden,
Diß ist sein höchstes Gut.
Der eine strebt nach grossen Ehren,
Der ander nach Verstand,
Und der wil seinen Vorraht mehren
Durch Arbeit seiner Hand.

Daher entstehn die vielen Sorgen,
Der Jammer und die Pein,
Die uns verfolgen von dem Morgen
Bis in die Nacht hinein.
In solchem Vorsatz und Verlangen
Wie werden doch so viel
Vom Tode plötzlich auffgefangen
Und treffen nicht das Ziel.

Die aber noch den Zweg erhalten
Was haben sie davon?
Der Tod zwingt alles zu erkalten,
Wo bleibt der Arbeit Lohn?
Wo bleibt der Hencker im Gewissen
Das Vnrecht, die Gewalt,
Die häuffig offt mit eingerissen
In vielerley Gestalt?

Ich habe mir ein Gut erlesen
Das nicht wird unttergehn,
Das Zeit und Fall und alles Wesen
Der Welt wird überstehn.
An dem kein Vnrecht Theil kan haben,
Daß mich in dieser Zeit,
Was Unglück sich ereugt, kan laben
Und dort in Ewigkeit.

Ich habe Lust aus diesem Leiden
Durch einen selign Tod,
In festem Glauben ab zu scheiden
Zu meinem wahren GOTT.
Vnd weil ich Christum mir erkohren,
Wünsch ich bey Ihm zu seyn,
Denn alles halt ich sonst verlohren
Ohn seine Gunst allein.

Kan dieser schöne Wunsch mir werden
Sag' ich dem schnöden Pracht,
Dem falschen Schein der eitlen Erden
Vnd allem gutte Nacht.
Herr Jesu steh mir nur zur Seiten,
Lehr mich die Welt-Begier
Sammt Sünde, Zeit und Tod bestreiten,
Und nimb mich bald zu Dir.