Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Wenn wir nun krafftlos ungestalt von

Wenn wir nun krafftlos ungestalt
Von aller Welt verlassen liegen,
Der Tod mus über uns Gewalt
Ohn einig' Hülff und Rettung kriegen.

Hin ist die Welt sampt ihrer Lust,
Der Sinnen Kräffte müssen brechen,
Wir röcheln mit der vollen Brust,
Die Zunge kann kein Wort mehr sprechen.

Es endet sich des Lebens Lauff
Sampt dieser Erden eiteln Dingen,
Die finstre Grabstat thut sich auff
Vnd sucht uns tieff hinein zuschlingen.

So meinet nicht, es sey gethan,
Vmb uns und unser gantzes Wesen,
Dieß war der blinden Heyden Wahn
Die nie von Glauben was gelesen.

Wir ziehen nur das irdisch aus
Vnd legen ab der Sünden Leiden,
Damit das schöne Himmels-Hauß
Vns könne herrlich überkleiden.

Vns die wir jetzt schon himmlisch sind
Vnd auff was zeitlich ist nicht sehen,
Denn dieß ist Schatten, Rauch und Wind
Und lässet sich wie Staub verwehen.

Nein sondern auff die Ewigheit
Ohn untterlaß die Hertzen lencken,
Da Gott ohn Weise, Maß und Zeit
Sich uns wird zu geniessen schencken.

So sollt ihr nun den Sinn allein
Hinauff wo Christus wohnet kehren,
Der unsrer Schatten Liecht wird seyn
Und unsern schnöden Leib verklären.

Gebt keiner leichten Wollust stat
Lasst euch die Sünde nicht bethören,
Weil dort nur Unschuld Stelle hat
Die Säw und Hund hinaus gehören.