Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Wenn Gott von allem Bösen von

Wenn Gott von allem Bösen
Und dieser Lebens-Noht
Wird meine Seel' erlösen
Durch einen selign Tod,
Daß ich werd' auffgenommen
Groß, herrlich, himmlisch, rein,
Hoch in die Zahl der Frommen,
Wie selig werd' ich seyn.

Mein Mund wird nichts als lachen,
Und meiner Zungen Klang
Wird nichts als Lieder machen,
Gott unserm Heyl zu Danck,
Ihm werd' ich Ehre bringen,
Von seiner Wercke Zahl
Wird heilig wieder klingen
Der gantze Himmels-Saal.

Herr, wende mein Verlangen,
Daß ich der Bande frey,
Darin ich bin gefangen
Und gantz mein eigen sey:
So lang ich hie muß leben,
So bin ich immerzu
Mit Sünden nur umbgeben
Und finde keine Ruh.

Was dein Gesetz mir zeiget,
Belustigt meinen Geist,
Doch ist mein Fleisch geneiget
Zum Argen allermeist,
Ich kann mich offt nicht retten
Für Wünschen und Begier,
Und schrey in diesen Ketten:
Ach Gott, wer hilffet mir.

Vom Jammer den ich treibe,
Von meines Fleisches Streit,
Und dieses Todes Leibe
Ist niemand der mich freyt?
Doch wil ich alles leiden,
Wenn du, O Gott, nur nicht
Dich wollest von mir scheiden
Mit deinem Angesicht.

Laß deinen Geist mich stärken,
Mach daß ich überall
Kan seinen Beystand mercken,
So fürcht' ich keinen Fall,
Und ob ich lang muß weinen,
So wird die Sonne mir
Um so viel heller scheinen
Mit unbewölckter Zier.

Hie muß ich Samen streuen
Mit Thränen vieler Pein,
Dort werd' ich Wonne meyen,
Der Ende nie wird seyn:
Hie muß ich traurig singen
Und klagen meine Zeit,
Dort werd' ich Garben bringen
In ewger Herrligkeit.