Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Herr Gott, meine Seele bringet von

Herr Gott, meine Seele bringet
Dir zum Opffer Preiß vnd Danck:
Meine Zung in Frewden singet
Einen newen Lobgesang.
Vberall bey allen Leuten
Wil ich deinen Rhum außbreiten
Itzo und mein lebenlang.

Zwar du liesset mich empfinden
Deines Zornes schwere Macht:
Welchen ich mit meinen Sünden
Hatte über mich gebracht.
Wer die Sünde nicht wil meiden,
Muß viel schwere Plagen leiden,
Wenn dein Eyfer recht erwacht.

Du bist aber auch sehr gütig,
Wenn man sich zu dir bekehrt,
Vnd von Hertzen grund demütig
Deine Hülff vnn Gnad begehrt,
Wird im Augenblick geendet
Aller Eyfer, vnd gewendet
In Trost, der viel Frewd beschert.

Drum mein Hertz ohn Furchten lebet
In gewisser Sicherheit,
Weil es in Gott selbsten schwebet
Der mein Heyl bleibt allezeit,
Mich mit seinen Flügeln decket,
Wenn mein Feind die Hand außstrecket
Wieder mich in schwerem streit.

In mir hilfft des Herren Stärke,
Daß ich alles überwind,
Aller Feinde List vnd Wercke
Machet sie zu nicht geschwind;
Wenn mich ein gantz Heer bekrieget,
Hab ich dennoch stets gesieget,
Weil ich bey Gott Zuflucht find.

Solte denn mein hertz nicht bringen
Ihm zum Opffer Preiß und Danck?
Solt Ihm nicht die Zunge singen
Einen Psalm und Lobgesang?
Ja ich wil bey allen Leuten
Deinen Ruhm, mein Heyl, außbreiten
Itzo vnd mein lebenlang.