Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Trinklied von

Brüder, laßt uns lustig sein,
weil der Frühling währet
und der Jugend Sonnenschein
unser Laub verkläret:
Grab und Bahre warten nicht;
wer die Rosen jetzo bricht,
dem ist der Kranz bescheret.

Unsers Lebens schnelle Flucht
leidet keinen Zügel,
und des Schicksals Eifersucht
macht ihr stetig Flügel;
Zeit und Jahre fliehn davon,
und vielleicht schnitzt man schon
an unsers Grabes Riegel.

Wo sind diese, sagt es mir,
die vor wenig Jahren
eben also, gleich wie wir,
jung und fröhlich waren?
Ihr Leiber deckt der Sand,
sie sind in ein ander Land
aus dieser Welt gefahren.

Wer nach unsern Vätern forscht,
mag den Kirchhof fragen;
ihr Gebein, so längst vermorscht,
wird ihm Antwort sagen.
Kann uns doch der Himmel bald,
eh' die Morgenglocke schallt,
in unsre Gräber tragen.