Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

An seine Leonore die immer grünende Hofnung von

An seine Leonore die immer grünende Hofnung

Stürmt, reißt und rast, ihr Unglückswinde,
Zeigt eure ganze Tyranney!
Verdreht, zerschlizt so Zweig als Rinde
Und brecht den Hofnungsbaum entzwey!
Dies Hagelwetter
Trift Stamm und Blätter,
Die Wurzel bleibt,
Bis Sturm und Regen
Ihr Wüten legen,
Da sie von neuem grünt und Äste treibt.

Mein Herz giebt keinen Diamanten,
Mein Geist den Eichen wenig nach;
Wenn Erd und Himmel mich verbannten,
So troz ich doch mein Ungemach.
Schlagt, bittre Feinde,
Weicht, falschen Freunde!
Mein Heldenmuth
Ist nicht zu dämpfen,
Drum will ich kämpfen
Und sehn, was die Gedult vor Wunder thut.

Die Liebe schenckt aus göldnen Schaalen
Mir einen Wein zur Tapferkeit,
Sie spricht, mir guten Sold zu zahlen,
Und schickt mich in den Unglücksstreit.
Hier will ich kriegen,
Hier will ich siegen;
Ein grünes Feld
Dient meinem Schilde
Zum Wappenbilde,
Bey dem ein Palmenbaum zwey Ancker hält.

Beständig soll die Losung bleiben:
Beständig lieb ich dich, mein Kind,
Bis dermahleinst die Dichter schreiben,
Daß du und ich nicht sterblich sind.
Das Wort Beständig
Macht alles bändig,
Was Elend heist;
Das stärckste Fieber
Geht bald vorüber,
Wenn man nur mit Gedult den Frost verbeißt.

Nur zweifle nicht an meiner Treue,
Die als ein ewig helles Licht,
Wenn ich des Lebens mich verzeihe,
Die Finsternüß der Gräber bricht.
Kein hartes Glücke,
Ja kein Geschicke
Trennt mich von dir;
Du stirbst die Meine,
Ich bin der Deine,
Drum wirf den Argwohn weg und glaube mir!