Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

An Suleika von

An Suleika

In tausend Formen magst du dich verstecken,
doch, Allerliebste, gleich erkenn' ich dich;
du magst mit Zauberschleiern dich bedecken,
Allgegenwärt'ge, gleich erkenn ich dich.

An der Zypresse reinstem jungem Streben,
Allschöngewachs'ne, gleich erkenn' ich dich;
in des Kanales reinem Wellenleben,
Allschmeichelhafte, wohl erkenn' ich dich.

Wenn steigend sich der Wasserstrahl entfaltet,
Allspielende, wie froh erkenn' ich dich;
wenn Wolke sich gestaltend umgestaltet,
Allmannigfalt'ge, dort erkenn' ich dich.

An des geblümten Schleiers Wiesenteppich,
Allbuntbesternte, schön erkenn' ich dich;
und greift umher ein tausendarm'ger Eppich,
o Allumklammernde, da kenn' ich dich.

Wenn am Gebirg' der Morgen sich entzündet,
gleich, Allerheiternde, begrüß' ich dich;
dann über mir der Himmel rein sich ründet,
Allherzerweiternde, dann atm' ich dich.

Was ich mit äußerm Sinn, mit innerm kenne,
du Allbelehrende, kenn' ich durch dich;
und wenn ich Allahs Namenhundert nenne,
mit jedem klingt ein Name nach für dich.