Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Abendbild von

Abendbild

Stille wird's im Walde; die lieben kleinen
Sänger prüfen schaukelnd den Ast, der durch die
Nacht dem neuen Fluge sie trägt, den neuen
Liedern entgegen.

Bald versinkt die Sonne; des Waldes Riesen
heben höher sich in die Lüfte, um noch
mit des Abends flüchtigen Rosen sich ihr
Haupt zu bekränzen.

Schon verstummt die Matte; den satten Rindern
selten nur enthallt das Geglock am Halse,
und es pflückt der wählende Zahn nur lässig
dunklere Gräser.

Und dort blickt der schuldlose Hirt der Sonne
sinnend nach; dem Sinnenden jetzt entfallen
Flöt' und Stab, es falten die Hände sich zum
stillen Gebete.