Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Heidebild von

Es verrieselt, es verraucht,
mählich aus der Wolke taucht
neu hervor der Sonnenadel.
In den feinen Dunst die Fichte
ihre grünen Dornen streckt,
wie ein schönes Weib die Nadel
in den Spitzenschleier steckt;
und die Heide steht im Lichte
zahllos blanker Tropfen, die
am Wacholder zittern, wie
Glasgehänge an dem Lüster.
Überm Grund geht ein Geflüster,
jedes Kräutchen reckt sich auf,
und, in langgestrecktem Lauf
durch den Sand des Pfades eilend,
blitzt das goldne Panzerhemd
des Kuriers; am Halme weilend
streicht die Grille sich das Naß
von der Flügel grünem Glas.
Grashalm glänzt wie eine Klinge,
und die kleinen Schmetterlinge,
blau, orange, gelb und weiß,
jagen tummelnd sich im Kreis.
Alles Schimmer, alles Licht;
Bergwald mag und Welle nicht
solche Farbentöne hegen
wie die Heide nach dem Regen.