Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Im Palmenhaus von

Im Palmenhaus

Es war im Palmenhaus; die feuchte Luft,
Von Blumendünsten schwer, umspielte laulich
In weichen Wellen unser beider Haupt.
In eine tiefgebauchte, kühle Gartenbank
Zurückgelehnt, so saßen wir, ganz still.
Verklungen längst war Wort und Gegenwort,
Wir waren beide müd, und reglos starrten
Wir durch der Wände spiegelklare Scheiben
Tief in des Himmels safrangelben Glanz.
Von Zeit zu Zeit, wenn abendkühl ein Windhauch
Um unsere heißen Schläfen strich, erklang
Gedämpft und mild durch weitgespreizte Fenster
Das Schluchzen der Fontainen aus dem Garten,
Und leise rauschten dann die Fächerpalmen,
Und Asiens wunderliche Riesenblumen,
Von dunkelgrünem, sattem Laub umspielt,
Sie nickten langsam, wie Pagodenhäupter,
Und schwergewürzte Glutarome rannen
In die europamüden Schwärmerseelen ...
Das Haupt an's Haupt gelehnt und Hand in Hand,
Mit heimwehkranker Seele träumten wir
Von einer fernen Südseeinsel Strand,
Wo reicher die Natur und farbenheißer,
Wo lilasilbern Meereswogen leuchten
In winddurchkoster, schwüler Tropennacht,
Wo still und träumerisch und sinnlich-mild,
Das Leben weiterfließt, wo keine Schranken
Des Herzens träumerisch-bizarre Wünsche
Stumpfsinnig-kühl verneinen und zerstören.
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Wo bist du, meine ferne Südseeinsel?