Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Pfingstmontag von

Pfingstmontag

Ist es Glaube nur, dem du verheißt,
dann bin ich tot.
O Glaube, der wie Lebensodem kreißt,
er tut mir not;
ich hab' ihn nicht.
Ach nimmst du statt des Glaubens nicht die Liebe
und des Verlangens tränenschweren Zoll,
so weiß ich nicht, wie mir noch Hoffnung bliebe.
Gebrochen ist der Stab, das Maß ist voll
mir zum Gericht.

Mein Heiland, der du liebst, wie niemand liebt,
fühlst du denn kein
Erbarmen, wenn so krank und tiefbetrübt
auf hartem Stein
dein Ebenbild
in seiner Angst vergehend kniet und flehet?
Ist denn der Glaube nur dein Gotteshauch?
Hast du nicht tief in unsre Brust gesäet
mit deinem eignen Blut die Liebe auch?
O sei doch mild!

Ein hartes schweres Wort hast du gesagt:
Daß, wer nicht glaubt,
gerichtet ist. Ich seh' nicht, wo es tagt;
doch so beraubt
läßt er mich nicht,
der hingab seinen Sohn, den eingebornen,
für Sünder wie für Fromme allzugleich.
Zu ihm ich schau', die Ärmste der Verlornen,
nur um ein Hoffnungswort; er ist so reich,
mein Gnadenlicht.

Du, der die Taufe der Begierde hat
so gnädiglich
besiegelt selbst an Sakramentes Statt:
Nicht zweifle ich,
du hast gewiß
den Glauben des Verlangens, Sehnens Weihe
gesegnet auch, sonst wärst du wahrlich nicht
so groß an Milde und so stark an Treue,
brächst du ein Zweiglein, draus die Knospe bricht
und Frucht verhieß.

Was durch Verstandes Irren ich verbrach,
ich hab' es doch
gebüßt so manche Nacht und manchen Tag;
was soll ich noch?
Nach meiner Kraft,
die freilich ich geknickt durch eigne Schulden,
doch einmal aufzurichten nicht vermag,
will hoffen ich, will sehnen ich, will dulden;
dann gibst du Treuer wohl den Glauben nach,
der Hilfe schafft.