Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Gewitter im Mai von

Gewitter im Mai

In Blüten schwamm das Frühlingsland,
es wogte weiß in schwüler Ruh';
der dunkle, feuchte Himmel band
mir schwer die feuchten Augen zu.

Voll Reu und Leid hatt' ich den Mai
gegrüßt und seinen bunten Flor;
nun zog er mir im Schlaf vorbei,
verträumt von dem vergrämten Tor!

Da war ein Donnerschlag gescheh'n,
ein einziger; den Berg entlang
hört' ich Erwachsender vergeh'n
erschrocken seinen letzten Klang!

„Steh' auf! steh' auf! entraffe dich
der trägen, tatenlosen Reu'!"
Durch Tal und Herz ein Schauer strich,
das Leben blühte frisch und neu.