Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Auf erinnerungsvollem Wege von

Auf erinnerungsvollem Wege

Sinnend folg ich alten Spuren,
denen lang ich ferne war:
auf dem gleichen Wege fuhren
beide wir vor manchen Jahr.

Du in junger Knospenfülle,
ich in voller Jugendglut,
du wie immer ernst und stille,
ich in leicht erregtem Mut.

Wohl, ich suchte dir mit Scherzen
zu erheitern deinen Sinn,
schon dein Lächeln war ein Herzen,
deine Seele lag darin.

Und so sprachen wir zusammen,
zogst du nicht zu schweigen vor:
Worte, die von damals stammen,
klingen mir wie neu im Ohr.

Drunten zog der Fluß zu Tale,
und sein Rauschen drang herauf —
Welches Bild mit einem Male
stieg dir in der Seele auf?

Seiner Stimme zugewendet
horchtest du im tiefen Traum;
was er dir heraufgesendet,
ahnt ich jenen Tag noch kaum.

Lang und schmerzlich sahst du nieder,
plötzlich nahmst du mir die Hand —
Heut des Weges zieh ich wieder,
längst bist du im Schattenland.