Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Meeresleuchten von

Meeresleuchten

Das Meer die grünen Wellen hob,
der Tag ging früh zur Neige,
der Wind in schwülen Stößen schnob
durchs sausende Myrtengezweige.

Heißdunstig flogen von Süden her
die Wolken, die jagenden, feuchten;
es pflügte der Sturm das donnernde Meer,
die Wellen begannen zu leuchten.

Da sank dein windumstobnes Haupt
an meine Brust, bezwungen,
dein Herz, das ich erstarrte geglaubt,
hat Auferstehung errungen.

Es kam, in seinem tiefsten Grund
des Trotzes Kern zu brechen,
dein herber, rotgesäumter Mund
begann von Liebe zu sprechen.

Dein Herz will wie die weite See
kühl und großatmend branden,
einsam im Glücke, stolz im Weh,
unnahbar, unverstanden.

Und nur bei Stürmen großer Art
wird jäh im Weltgetriebe
das seltne Leuchten offenbart,
das Leuchten deiner Liebe.